ZWR 2016; 125(10): 498
DOI: 10.1055/s-0042-116050
Fortbildung - Rezension
Buchrezension
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

A. Filippi & I. Hitz Lindenmüller (Hrsg.)-Die Zunge

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Publication History

Publication Date:
03 November 2016 (online)

Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin
1. Auflage 2016, 256 Seiten

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Unsere Zunge zeigt eine Vielzahl von Normvarianten sowie naturgemäß auch eine ganze Reihe pathologischer Veränderungen und sie kann mitunter Hinweise für „zungenferne“ Krankheitsbilder liefern. Umso überraschender ist es, dass diesem zentralen Organ der Mundhöhle bisher wenig Beachtung in der Zahnmedizin geschenkt wird. So stellen nach Kenntnis des Rezensenten die beiden Herausgeber Filippi & Hitz Lindenmüller von „Die Zunge – Atlas und Nachschlagewerk für Zahnärzte, Hausärzte, Kinderärzte, Hals-Nasen-Ohrenärzte, Hautärzte, Dentalhygienikerinnen, das gesamte zahnärztliche Praxisteam sowie Studierende der Medizin und Zahnmedizin“ die Zunge in einem deutschsprachigen Fachbuch erstmalig in den Mittelpunkt. Zahlreiche Beiträge des Buchs sind von Mitarbeitern der Klinik für Zahnärztliche Chirurgie, Radiologie, Mund- und Kieferheilkunde des Universitären Zentrums für Zahnmedizin Basel verfasst. Die insgesamt 17 Autoren sind allesamt mit der Diagnostik und Therapie von Zungenveränderungen erfahrene Kliniker.

Das Buch umfasst 256 Seiten, enthält eine Vielzahl von Tabellen und ist mit 596 Fotos reichlich bebildert. Das Fachbuch ist übersichtlich in 6 Kapitel gegliedert:

Einer kurzen Einleitung (Kapitel 1) folgen ein unvermeidliches Kapitel zur Anatomie und Physiologie der Zunge (Kapitel 2), sowie ein Abschnitt zu Normvarianten der Zunge (Kapitel 3). Nach Einführung in die Diagnostik (Kapitel 4) werden im Herzstück des Buchs die multiplen Veränderungen der Zunge konsequent abgearbeitet (Kapitel 5) und im letzten Kapitel die Therapie vorgestellt (Kapitel 6).

Unter den insgesamt 59 besprochenen Zungenveränderungen sind bspw. die Amyloidose, Betelkonsum, Cowden-Syndrom, Erythroplakie, Graft versus Host Disease (GvHD), Hand-Fuß-Mund-Krankheit, Melkersson-Rosenthal-Syndrom, MEN-Syndrom (Multiple endokrine Neoplasie) Typ IIb/2B, Morbus Heck und Sjögren-Syndrom, um nur einige herauszustellen. Die fachliche Beschreibung erfolgt als stichwortartige Auflistung in übersichtlicher Tabellenform. Auf aktuelle wissenschaftliche Literatur wird ebenso verwiesen und zahlreiche aussagekräftige klinische Bilder runden die einzelnen Abschnitte ab.

Während der Rezensent in dem Fachbuch nichts „vermisst“, werden möglicherweise dem ganzheitlich tätigen Zahnarzt und naturheilkundlich interessiertem Leser zusätzliche Informationen oder Verweise unter derartigen Aspekten (Stichwort Traditionelle Chinesische Medizin) fehlen und hätten den Bildatlas hinsichtlich des selbstgesetzten Anspruchs als Nachschlagewerk abgerundet. Das Buch ergänzt jedoch die Fachliteratur in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde im vom Zahnarzt zu verantwortenden Tätigkeitsbereich durch eine idealtypische, präzise und detaillierte Erweiterung im Sinne der Oralmedizin. Einfacher formuliert: Dem Buch ist eine weite Verbreitung innerhalb der Zahn­ärzteschaft zu wünschen.

Dr. Dr. Hans Ulrich Brauer, M.A.
Fachzahnarzt für Oralchirurgie
Lörrach