Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 2017; 12(03): 247-269
DOI: 10.1055/s-0042-116970
Beckengürtel und untere Extremität
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Hüftgelenknahe Frakturen/Luxationen

Felix Bonnaire
,
Philipp Bula
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Publication History

Publication Date:
29 May 2017 (online)

Proximale Femurfrakturen sind häufige Verletzungen, sie nehmen mit höherem Alter deutlich zu und sind dann vielfach mit Osteoporose vergesellschaftet. Für diese Altersgruppe sind die Frühmobilisation unter Vollbelastung und die sofortige Wiederherstellung der Funktion im täglichen Leben essenziell. Daraus leitet sich die großzügige Indikation zur Endoprothese für ältere Patienten ab. Bei allen Verletzungen jüngerer Patienten hat hingegen der Erhalt des Hüftgelenks absolute Priorität.

Kernaussagen

Proximale Femurfrakturen

  • Der demografische Wandel lässt ein häufigeres Auftreten proximaler Femurfrakturen in der Zukunft erwarten.

  • Ältere Patienten werden überwiegend mit Endoprothetik versorgt, bei jüngeren Patienten hat der Erhalt des Hüftgelenks Priorität.

Hüftgelenkluxationsfrakturen

  • Therapieziele: Sofortige Reposition der Luxationsfraktur unter Vermeidung von Sekundärschäden an Nerven und Gefäßen, Erhalt der Funktion des Hüftgelenks und Wiederherstellung einer belastbaren Extremität.

  • Zunächst sollte ein geschlossener Repositionsversuch in Narkose unter Relaxation mittels Zug und Innenrotation des Beines erfolgen. Nach der Reposition sollte eine frühzeitige definitive Versorgung erfolgen. Ist die Reposition nicht stabil oder gelingt sie gar nicht, ist die offene Reposition als Notfalloperation indiziert.

Mediale Schenkelhalsfrakturen

  • Therapieziele: Der Erhalt des Hüftgelenks hat beim jungen Patienten absolute Priorität, Endoprothetik erst, wenn dies nicht möglich ist.

  • Im Allgemeinen ist eine operative Versorgung indiziert. Eine operative Stabilisierung mittels einer dynamischen Hüftschraube (DHS) oder DH-Klinge verhindert bei valgisch impaktierten und nicht dislozierten Schenkelhalsfrakturen zuverlässig die gefürchtete sekundäre Dislokation. Nicht dislozierte Frakturen haben nach Osteosynthese auch beim Älteren bessere Ergebnisse als Endoprothesen.

Pertrochantäre Frakturen

  • Therapieziele: Ausheilung der Fraktur in möglichst anatomischer Stellung unter Erhalt des Hüftgelenks.

  • Eine Totalendoprothese ist nur bei vorbestehender Koxarthrose indiziert; in den meisten anderen Fällen – in Abhängigkeit der Stabilität – eine extra- oder intramedulläre Osteosynthese.