Geburtshilfe Frauenheilkd 2017; 77(01): 52-58
DOI: 10.1055/s-0042-119200
GebFra Science
Original Article
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Infertile Partnersʼ Coping Strategies Are Interrelated – Implications for Targeted Psychological Counseling

Wechselbeziehungen bei den Bewältigungsstrategien unfruchtbarer Partner – Implikationen für eine zielgerichtete psychologische Beratung
L. Volmer
1  Institut für Medizinische Psychologie, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Heidelberg, Germany
,
S. Rösner
2  Universitätsfrauenklinik, Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen, Heidelberg, Germany
,
B. Toth
2  Universitätsfrauenklinik, Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen, Heidelberg, Germany
,
T. Strowitzki
2  Universitätsfrauenklinik, Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen, Heidelberg, Germany
,
T. Wischmann
1  Institut für Medizinische Psychologie, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Heidelberg, Germany
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

received 11 August 2016
revised 09 October 2016

accepted 16 October 2016

Publication Date:
30 January 2017 (online)

Abstract

Background Infertility patients often have high stress levels which, in some cases, represent a risk of developing depression or anxiety. The SCREENIVF questionnaire is a validated tool to evaluate such risks. Some coping strategies have been shown to be correlated with infertile couplesʼ levels of stress. Determining which strategies are correlated with higher levels of risk for depression or anxiety could be useful to offer targeted psychological counseling to reduce the risk of depression or anxiety.

Materials and Methods A total of 296 women and men who attended the Fertility Center at Heidelberg University Hospital completed the SCREENIVF questionnaire and the COMPI coping scales. Data were analyzed first on an individual basis and focused on the couple, using the Actor Partner Interdependence Model.

Results On an individual level, active avoidance coping was positively correlated with a higher risk of depression or anxiety in women, while meaning-based coping was negatively correlated with risk in men. When the results of couples were viewed together, women and men using active avoidance coping exhibited higher risk scores as individuals (actor effect), as did their partners (partner effect). Women who used meaning-based coping had positive actor and partner effects. Women using active-confronting coping had a negative partner effect (higher risk score for men).

Conclusions These findings indicate that some coping strategies may have a protective effect while others may increase the risk of emotional maladjustment in infertile couples. Further analysis of coping strategies could help to identify new counseling approaches for infertile patients.

Zusammenfassung

Hintergrund Viele unfruchtbare Patienten leiden unter einer höheren Stressbelastung, was in manchen Fällen das Risiko erhöht, eine Depression oder Angststörung zu entwickeln. Der SCREENIVF-Fragebogen stellt ein validiertes Instrument zur Evaluierung dieser Risiken dar. Es hat sich gezeigt, dass manche Bewältigungsstrategien mit der Stressbelastung von unfruchtbaren Paaren korrelieren. Für die betroffenen Patienten könnte es nützlich sein, die Strategien, die mit einem höheren Risiko für Depression oder Angststörung einhergehen, zu identifizieren. Diese Patienten könnten dann gezielt eine psychologische Beratung erhalten, um ihr Risiko für Depression oder Angststörung zu mindern.

Material und Methoden 296 Frauen und Männern, die im Kinderwunschzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg vorstellig wurden, haben den SCREENIVF-Fragebogen und die COMPI-Bewältigungsskala ausgefüllt. Die Daten wurden zunächst individuell analysiert und wurden danach mithilfe des Akteur-Partner-Interdependenz-Modells mit den Daten des Partners verglichen.

Ergebnisse Auf individueller Ebene war bei den Frauen eine aktive Vermeidungsstrategie positiv mit einem höheren Risiko für Depression und Ängstlichkeit korreliert; bei Männern hingegen korrelierte eine sinngebende Bewältigung negativ mit dem Risiko, eine Depression oder Angststörung zu entwickeln. Wurden die individuellen Ergebnisse eines Paares zusammen betrachtet, zeigte sich, dass Frauen und Männer, die eine aktive Vermeidungsstrategie verfolgten, höhere Risikowerte aufwiesen, sowohl einzeln betrachtet (Akteureffekt) als auch als Partner (Partnereffekt). Bei Frauen, die eine sinngebende Bewältigungsstrategie verwendeten, waren Akteur- und Partnereffekte positiv. Bei Frauen, die eine aktiv konfrontative Strategie pflegten, war der Partnereffekt negativ (Risikowerte waren bei Männern höher).

Schlussfolgerungen Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass bestimmte Bewältigungsstrategien eine schützende Wirkung haben können, während andere Strategien das Risiko einer emotionalen Fehlanpassung bei unfruchtbaren Paaren erhöhen können. Eine weitergehende Analyse von Bewältigungsstrategien könnte dazu beitragen, dass neue Beratungsmethoden bei unfruchtbaren Paaren angewendet werden.