Rofo 2017; 189(01): 39-48
DOI: 10.1055/s-0042-119450
Breast
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ist eine Individualisierung der mammografischen Brustkompression sinnvoll? – Untersuchungen zu Schmerzangaben bei der Mammografie in Bezug auf Kompressionskraft und Fläche der komprimierten Brust

Artikel in mehreren Sprachen: English | deutsch
Katarzyna Feder
1  Centre for Radiology, Hannover Medical School, Hannover
,
Jens-Holger Grunert
2  Radiology Practice Georgstraße, Hannover
› Institutsangaben
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

15. Januar 2016

02. Oktober 2016

Publikationsdatum:
21. Dezember 2016 (online)

Zusammenfassung

Ziel Ziel der Arbeit ist es zu ermitteln, wie das Schmerzempfinden bei der mammografischen Kompression reduziert werden kann. Hierfür untersuchten wir seine Beziehung zur Kompressionskraft, Fläche der komprimierten Brust, Brustdichte (ACR) und Voroperationen.

Material und Methodik Bei 765 Mammografien von 199 Patientinnen wurden die Kompressionsschmerzen auf einer Skala von 0 – 10 bewertet (0: keine, 10: stärkste Schmerzen). Die Fläche der Brust wurde im Mammogramm planimetriert. Bei 52 der 199 Frauen wurde das Thoraxwandareal mit den größten Schmerzen abgefragt.

Ergebnisse Die Dicke der komprimierten Brust entsprach 65,2 % der Dicke der nicht komprimierten Brust bei einer Kraft von 10 daN (57,8 % bei 15 daN). Eine Erhöhung der Kraft von 10 auf 15 daN führte zu einer zusätzlichen Reduktion der Parenchymdosis (AGD) um 17 %. Die Toleranz der Kompressionskraft war von der Größe der Brust abhängig. Über 50 % der Mammografien mit einer geringen Kompression von weniger als 9 daN waren mit stärkeren Schmerzen assoziiert. Bei den Schrägprojektionen war bei 60 % der Frauen die Axilla das schmerzhafteste Areal.

Schlussfolgerung Frauen mit einer größeren Brust tolerierten eine größere Kompressionskraft. Dies legt eine Individualisierung der Untersuchung in Abhängigkeit von der Größe der Brust nahe. Frauen mit einem erhöhten Schmerzempfinden beendeten die Kompression frühzeitig trotz einer geringen Kraft von weniger als 9 daN. Mehr als 50 % der Frauen empfanden Areale außerhalb der Brust als besonders schmerzhaft. Es sollte daher während der Untersuchung darauf geachtet werden, auch Areale außerhalb der Brust zu schonen.

Kernaussagen

  • Mit steigender Kompressionskraft sank die Effektivität der Dickenreduzierung der komprimierten Brust.

  • Eine Kompressionskraft von 15 daN ermöglichte eine zusätzliche Reduzierung der Parenchymdosis (AGD) um 17 % verglichen mit 10 daN.

  • Die Toleranz größerer Kompressionskräfte war abhängig von der Fläche der komprimierten Brust.

  • Frauen mit einem individuell gesteigerten Schmerzempfinden brachen den Kompressionsvorgang bereits bei einer Kraft unter 9 daN ab.

  • Kompressionsabhängige Schmerzen fanden sich bei der Hälfte der Patientinnen außerhalb der Brust.

Zitierweise

  • Feder K, Grunert JH. Is Individualizing Breast Compression during Mammography useful? – Investigations of Pain Indications during Mammography Relating to Compression Force and Surface Area of the Compressed Breast. Fortschr Röntgenstr 2017; 189: 39 – 48