Handchir Mikrochir Plast Chir 2016; 48(06): 363-369
DOI: 10.1055/s-0042-120275
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Überblick und Vorstellung eines Behandlungskonzeptes zur postoperativen Therapie und Mobilisation nach freier Lappenplastik an der unteren Extremität

Overview and Introduction of a Treatment Concept for Postoperative Care and Mobilisation After Free Flap Transplantation in the Lower Extremity
M. Cerny
1  Klinik und Poliklinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München
,
J.-T. Schantz
1  Klinik und Poliklinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München
,
H. Erne
1  Klinik und Poliklinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München
,
D. Schmauss
1  Klinik und Poliklinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München
,
R. E. Giunta
2  Abteilung für Handchirurgie, Plastische Chirurgie, Ästhetische Chirurgie, Klinikum der Ludwig-Maximilian-Universität, München
,
H.-G. Machens
1  Klinik und Poliklinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München
,
T. Schenck
2  Abteilung für Handchirurgie, Plastische Chirurgie, Ästhetische Chirurgie, Klinikum der Ludwig-Maximilian-Universität, München
› Institutsangaben
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

eingereicht 24. September 2016

akzeptiert 25. Oktober 2016

Publikationsdatum:
29. Dezember 2016 (online)

Zusammenfassung

Einleitung: Freie Lappenplastiken zur Deckung von Defekten an der unteren Extremität sind im Vergleich zu anderen Empfängerstellen mit einer erhöhten Komplikationsrate vergesellschaftet. Die Mobilisation und der resultierende hydrostatische Druck stellen eine besondere Belastung für die Lappenplastiken dar. Im Allgemeinen wird dieser Belastung durch eine langsam gesteigerte hydrostatische Belastung des Beines unter Wickelung begegnet. Für diese postoperativen Regime, zumeist als „Lappentraining” bezeichnet, gibt es keinen wissenschaftlichen Konsens aus dem ein Behandlungsstandard abgeleitet werden könnte. Ziel dieser Arbeit war es, einen Überblick über aktuell verwendete Regime zu erhalten.

Material und Methoden: Wir führten eine Umfrage per Email an Abteilungen für Plastische Chirurgie in Deutschland, Österreich und der Schweiz durch, welche freie Lappenplastiken an der unteren Extremität durchführen. Wir erfragten den Beginn und die Steigerungsintervalle der elastischen Wickelung der Extremität, den Beginn der Belastung der operierten Extremität und das Auftreten von Komplikationen im Zuge der Mobilisierung.

Resultate: Wir konnten 32 Abteilungen für Plastische Chirurgie in unsere Studie einschließen und verglichen sie anhand der Anzahl freier Lappenplastiken pro Jahr. Es zeigten sich große Unterschiede in der postoperativen Therapie. Als Beginn des ,,Lappentrainings“ wurde vorwiegend der 3.–7. postoperative Tag und eine Dauer von 5 bis 15 minuten angegeben. Die Steigerungsintervalle waren ebenfalls uneinheitlich. Die Spannbreite zur Vollbelastung der Extremität reichte vom 5. postoperativen Tag bis hin zur 3. postoperativen Woche. Ein Drittel der Abteilungen gab an, bereits Komplikationen beobachtet zu haben, die direkt auf postoperatives ,,Lappentraining“ zurückgeführt werden konnten.

Schlussfolgerung: Die postoperative elastische Wickelung und anschließende Mobilisation wird von vielen Behandlern als wichtige und effektive Maßnahme angesehen, Ödeme und eine Volumenbelastung der Lappenplastiken zu verringern. Diese Arbeit zeigt jedoch, dass es eine große Bandbreite an Konzepten des „Lappentrainings“ gibt. Sie dient den Lesern zur Einschätzung des Eigenregimes und als Orientierungshilfe für ein möglichst individuell an den Patienten orientiertes Regime.

Abstract

Introduction: Free flap transplants for soft tissue reconstruction in the lower extremity are associated with a higher rate of complications compared with other areas. Mobilisation and the resulting hydrostatic pressure put strain on the flaps. In general, these effects are countered by slowly increasing hydrostatic pressure with the leg being compressed by elastic bandages. These postoperative regimes are also called dangling procedures or “flap training”, but are not scientifically validated and therefore there is no consensus or guideline leading to a standard treatment regime. The goal of our study was to present an overview of currently performed regimes.

Material and Methods: We conducted an email survey by sending a questionnaire to departments for plastic and reconstructive surgery in Germany, Austria and Switzerland, which perform free flap transplantations in the lower extremity. The questionnaire ascertained the starting point and the frequency of the dangling procedures, the introduction of weight-bearing on the operated extremity and the incidence of complications occurring during mobilisation.

Results: We included 32 departments and compared them by the number of free flap transplantations performed per year. We found a wide variation between the postoperative treatment regimes. In most departments, flap training is started between the 3rd and 7th day after surgery and lasts between 5 and 15 min. The intervals with which flap training intensity is increased are inhomogeneous as well. The time until full weight-bearing is exerted on the operated extremity ranges from day 5 to week 3 postoperatively. Complications due to flap training were reported by one third of the participating departments.

Conclusion: Elastic compression and patient mobilisation after free flap procedures in the lower extremity are considered to be very important in reducing complications and in protecting the flap from edema and volume overload. This article demonstrates that there is a wide variety in flap training regimes. It aims to help readers evaluate their own regimes and provides guidance for an individualised patient-oriented regime.