PSYCH up2date 2017; 11(06): 477-490
DOI: 10.1055/s-0042-120571
Schizophrenien, schizophreniforme und wahnhafte Störungen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Psychotherapie bei Psychosen: kognitive Verhaltenstherapie

Klaus Hesse
,
Stefan Klingberg
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Publication Date:
16 November 2017 (online)

Die Heterogenität von Psychosen erfordert differenzierte Therapiestrategien anhand von Störungsmodellen. Erfolgreich sind einige evidenzbasierte Ansätze aus der kognitiven Verhaltenstherapie, bei denen die Patienten die zugrunde liegenden Mechanismen erkennen lernen, um so ggf. rechtzeitig ein Rezidiv zu verhindern. Der Einbezug von Angehörigen und eine gut gestaltete Beziehung zwischen Therapeut und Patient sind dabei wichtige Eckpfeiler.

Kernaussagen
  • Psychotische Erkrankungen sind durch Heterogenität von Verläufen, Symptomen und Beeinträchtigungen gekennzeichnet. Um dieser Komplexität gerecht zu werden, ist die Kenntnis von Störungsmodellen hilfreich. Damit kann man individualisierte Fallkonzepte erstellen und differenzierte therapeutische Strategien anbieten.

  • Entgegen noch immer weit verbreiteter Annahmen gibt es eine Reihe empirisch geprüfter Therapieansätze aus dem Spektrum der kognitiven Verhaltenstherapie, deren Anwendung durch evidenzbasierte Leitlinien empfohlen wird. Die kognitive Verhaltenstherapie bei Psychosen unterscheidet sich dabei nicht grundsätzlich von der Behandlung anderer psychischer Erkrankungen.

  • Die therapeutische Beziehungsgestaltung hat aufgrund der Symptomatik besondere Bedeutung, um einen hilfreichen Kontakt zu etablieren. Darüber hinaus sind jedoch auch spezifische Interventionstechniken für die Erreichung des Behandlungserfolgs notwendig.

  • Behandlungsziele werden häufig unter der Überschrift „Recovery“ diskutiert, um zum Ausdruck zu bringen, dass Gesundung mehr ist als Symptomreduktion. Wir verstehen die in diesem Artikel genannten Interventionsstrategien als Teil und Unterstützung eines solchen „Recovery-Prozesses“. Patienten sollen so unterstützt werden, ihre Ziele selbstbestimmt und langfristig zu verfolgen.