PSYCH up2date 2017; 11(02): 131-147
DOI: 10.1055/s-0042-123149
Schizophrenien, schizophreniforme und wahnhafte Störungen
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Schizophrene Psychosen im Kindes- und Jugendalter: Früherkennung und Behandlung

Franz Resch
,
Eginhard Koch
,
Frauke Schultze-Lutter
,
Benno Graf Schimmelmann

Subject Editor: Prof. Dr. Dr. Frank Schneider, Aachen
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Publication History

Publication Date:
21 March 2017 (online)

Psychosen vor dem Erwachsenenalter sind sehr selten und werden oft erst spät behandelt – mit z. T. gravierenden Auswirkungen auf kindliche Entwicklungsprozesse. Behandelt wird deshalb mit Psycho- und Pharmakotherapie sowie psychosozialen Interventionen.

Kernaussagen
  • Früh beginnende Psychosen (vor dem 18. Lebensjahr) weisen eine Reihe von ungünstigen Entwicklungskriterien auf. Unter anderem ist die Dauer der unbehandelten Psychose (DUP) – also der Zeitraum vom ersten Auftreten der produktiven Symptome bis zum Beginn einer psychiatrischen Behandlung – gegenüber dem Erwachsenenalter verlängert.

  • Die Diagnose der frühen Schizophrenien wird in erster Linie aufgrund der psychopathologischen Symptomatik gestellt. Genetische, somatische und psychosoziale Faktoren gelten als kausal für die Entstehung und Auslösung der Psychosen. Die Modellvorstellung zur Integration der vielfältigen Befunde ist das Vulnerabilitäts-Stress-Modell. Es besagt, dass Menschen mit einer vorbestehenden Krankheitsbereitschaft (Vulnerabilität), dann an einer Schizophrenie erkranken, wenn zusätzliche ungünstige Umwelteinflüsse und Stressoren hinzutreten.

  • Die Therapie von schizophrenen Psychosen des Kindes- und Jugendalters richtet sich nicht nur nach der Symptomatik, sondern muss auch die alterstypischen Entwicklungsaufgaben im Blick haben. Neben der Psychopharmakotherapie spielen Psychotherapie und sozial- und milieutherapeutische Maßnahmen eine Rolle, wobei stützende individuelle Interventionen auf dem Boden der Verhaltenstherapie und psychoedukative Familieninterventionen sich als wirksam erwiesen haben.

  • Der Früherkennung eines klinisch erhöhten Risikostadiums für die Entwicklung einer psychotischen Erstepisode wird besonderes Augenmerk geschenkt. Grundsätzlich muss betont werden, dass diagnostische Maßnahmen und daraus resultierende Interventionen nur bei Patienten mit subjektivem Leidensdruck und behandlungsbedürftigen Symptomen im Sinne einer indizierten Prävention erfolgen sollten.