Notfallmedizin up2date 2017; 12(01): 63-76
DOI: 10.1055/s-0042-123155
Internistische Notfälle
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kunstherzpatienten im Rettungswesen

Bernd Panholzer
,
Assad Haneya
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Publication Date:
27 March 2017 (online)

Unter dem Begriff Kunstherztherapie versteht man die Implantation von Herzunterstützungssystemen (Ventricular Assist Devices, VAD), zumeist im linken Ventrikel (LVAD), seltener rechts (RVAD) oder biventrikulär (BVAD). Diese Systeme agieren zusätzlich – also unterstützend – zum eigenen Herzen. Die Patienten werden inzwischen i. d. R. postoperativ nach Hause entlassen, und so wird auch der Rettungsdienst zunehmend mit diesen Patienten konfrontiert.

Kernaussagen
  • Die Implantation von Herzunterstützungssystemen (VAD = ventricular Assist Device) ist eine etablierte und von den internationalen Leitlinien empfohlene Therapie von Patienten mit terminaler Herzinsuffizienz.

  • Obwohl Patienten mit Herzunterstützungssystemen mobil sind und regelhaft ambulant betreut werden, weisen sie trotzdem Besonderheiten auf.

  • Klinische Besonderheiten von Patienten mit Herzunterstützungssystemen sind u. a.

    • der fehlende oder abgeschwächte Puls,

    • die fehlende oder eingeschränkte Möglichkeit, nichtinvasiv Blutdruck zu messen und

    • die Überlagerung von Auskultationsbefunden durch das Pumpengeräusch.

  • Besondere äußere Merkmale von Patienten mit Herzunterstützungssystemen sind

    • der Controller, der über eine im Abdominalbereich ins Körperinnere geleitete Elektrode (= Driveline) mit der Pumpe verbunden ist, und

    • die typischen Operationsmerkmale einer Herzoperation.

  • Patienten mit Herzunterstützungssystemen sind antikoaguliert und nehmen einen Thrombozytenaggregationshemmer ein, sodass sie eine deutlich erhöhte Blutungsneigung aufweisen.

  • Klassische Komplikationen von Patienten mit Herzunterstützungssystemen sind

    • Blutung,

    • Pumpenthrombose,

    • Schlaganfall,

    • Infektion, vor allem an der Eintrittspforte der Driveline.

  • Bei bewusstlosen Patienten mit Herzunterstützungssystemen ist es unwahrscheinlich, dass ein Kreislaufversagen ursächlich für die Bewusstlosigkeit ist, wenn das System einwandfrei läuft und keine Alarmhinweise oder sonstigen Anzeichen eines Systemausfalls aufweist.

  • Eine Hypovolämie kann zu einem sogenannten Ansaugphänomen führen, bei dem kurzfristig der Pumpenfluss reduziert ist.

  • Pumpenthrombosen, hypertensive Entgleisungen, Hypo- oder Hypervolämie, Vasodilatation oder Tamponade können die Funktionalität des Herzunterstützungssystems beeinflussen.