Notfallmedizin up2date 2017; 12(01): 79-91
DOI: 10.1055/s-0042-123161
Neurologische Notfälle
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Unklare Bewusstseinsstörungen

Christoph Terborg
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
27. März 2017 (online)

Bewusstseinsstörungen kommen in der neurologischen Notfall- und Intensivmedizin häufig vor und erfordern eine schnelle Diagnostik und zielgerichtete Therapie, da sonst irreversible Schäden des zentralen Nervensystems drohen. Beides ist im Rettungsdienst nur eingeschränkt möglich und reduziert sich auf die wesentlichen Maßnahmen.

Kernaussagen

Die Diagnostik (und die daraus abgeleitete Therapie) bewusstloser Patienten sind im Rettungsdienst nur eingeschränkt möglich, deshalb sollte so rasch wie möglich der Transport in eine geeignete Klinik erfolgen.

Erstuntersuchung bewusstloser Patienten

  • körperliche Untersuchung

    • mit Kontrolle von Atemwegen, Atmung und Kreislauf

    • ggf. Reanimation

  • Anamnese

  • neurologische Untersuchung (insbesondere Glasgow Coma Scale)

Differenzialdiagnosen

Schlaganfall

  • bei Verdacht möglichst rasch Kliniktransport („Time is Brain“)

  • mögliche Ursachen:

    • Hirninfarkt

    • intrazerebrale Blutung/Subarachnoidalblutung

  • Präklinisch kann nicht zwischen Infarkt und Blutung unterschieden werden!

Schädel-Hirn-Trauma

  • Verdachtsdiagnose eines Schädel-Hirn-Traumas als Ursache einer Bewusstseinsstörung gewöhnlich aus der Auffindesituation des Patienten ersichtlich

  • traumaangepasstes Management

Meningitis und Enzephalitis

  • Leitsymptome der bakteriellen Meningitis:

    • schwerer Kopfschmerz

    • Fieber

    • Meningismus

  • bei Verdacht möglichst rasch Kliniktransport

Epileptischer Anfall, Status epilepticus

  • generalisierter tonisch-klonischer Anfall:

    • keine medikamentöse Therapie erforderlich

    • wichtigste Differenzialdiagnose: Synkope

  • Status epilepticus (Grand-Mal-Status):

    • lebensbedrohlich

    • medikamentöse Intervention im Rettungsdienst: Benzodiazepin (Lorazepam)

Metabolische Enzephalopathien

Entscheidend ist die Bestimmung der richtigen Laborparameter, die außer bei Hypoglykämie erst innerklinisch erfolgen kann.

Die wichtigsten Differenzialdiagnosen:

  • Blutzuckerentgleisung

    • Blutzuckerbestimmung bei allen komatösen Patienten!

  • hepatische Enzephalopathie

  • Niereninsuffizienz

  • Elektrolytstörung

  • Sepsis

 
  • Literatur

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