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DOI: 10.1055/s-0042-1755895
Prävalenz und Risikofaktoren der Osteoporose bei Patient:innen in universitärer rheumatologischer Ambulanz und Immundefektsprechstunde
Autor*innen
Einleitung Obwohl die Osteoporose gemäß WHO zu einer der 10 wichtigsten Volkserkrankungen zählt, liegen für spezielle Patientengruppen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen oder Immundefekten nur wenige systematische Datenanalysen hinsichtlich des Risikos und der Prävalenz vor. Spezielle Risikofaktoren, sowie die Auswirkungen verschiedener immunsuppressiver Therapien auf die Osteoporose in diesen Patientenkollektiven sind ebenfalls noch nicht vollständig bekannt.
Methode Das gesamte Patientenkollektiv der rheumatologischen und immunologischen Ambulanz wurden mittels Fragebogen gescreent. Es wurden gemäß der S3-Leitline Osteoporose klassische Risikofaktoren erfasst. Hierzu zählen bestimmte Erkrankungen und Medikamente, wie die Einnahme von Glukokortikoiden und Vitamin D. Zusätzlich wurde erfragt, ob eine Osteoporose oder Osteopenie bereits bekannt ist. In diesem Fall wurde die vorherige oder aktuelle Therapie erfragt. DXA-Messungen wurden veranlasst, bzw. bereits vorliegende Befunde erfasst.
Ergebnisse Bisher wurden Fragebögen von 1077 Patient:innen (741 weiblich, 336 männlich) ausgewertet. Der Altersdurchschnitt beträgt 54,1 Jahre. Insgesamt lag bei 324 Patient:innen (30,1%) mindestens eine als Risikofaktor zählende Erkrankung vor. 587 Patient:innen (54,5%) nehmen Medikamente ein, die als Risikofaktor gelten, davon nehmen 388 Patient:innen (36%) Glukokortikoide ein. Insgesamt 683 (63,4%) Patient:innen nehmen Vitamin-D mit einer mittleren Dosis von 1678IE/Tag ein. Eine DXA-Messung wurde bei insgesamt 442 Patienten (41%) durchgeführt. Bei 207 Patient:innen (19,2%) ist eine Osteoporose oder Osteopenie bekannt. Eine Therapie zur Behandlung der Osteoporose wurde bei 86 dieser 207 Patient:innen initiiert, hiervon führen 39 (45,4%) die Therapie aktuell fort. Von den 207 Patient:innen mit einer Osteoporose/Osteopenie lagen bei 175 Erkrankungen als Risikofaktor vor (84,5%). 145 der 207 Patient:innen (70,1%) nehmen osteoporosefördernde Medikamente ein. Davon entfällt der Großteil auf Glukokortikoide (102 Patient:innen). 176 (85%) Patient:innen mit einer Osteoporose/Osteopenie nehmen Vitamin D ein. Von 388 Patient:innen mit einer Glukokortikoidtherapie ist in 102 (26,3%) Fällen eine Osteoporose bekannt. 316 (81,4%) substituieren Vitamin D. Eine DXA-Messung wurde bei 218 der 388 (56,2%) Glukokortikoid einnehmenden Patient:innen durchgeführt.
Diskussion Die bisherige Datenerhebung zeigt bereits das Defizit eines adäquaten Osteoporose Screenings bei Patient:innen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen oder Immundefekten. Es besteht ein Defizit in der prophylaktischen Vitamin D Versorgung bei Patient:innen mit Glukokortikoideinnahme. Trotz Osteoporose erhalten nicht alle Patient:innen unter Berücksichtigung der Risikofaktoren eine leitliniengerechte antiresorptive oder osteoanabole Therapie. Dieses Defizit gilt es zügig zu beheben.
Keywords Osteoporose, Glukokortikoid, DXA-Messung, Risikofaktoren, Vitamin D, entzündlich rheumatische Erkrankung
Korrespondenzadresse Jan-Michael Brandt, Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Rheumatologie und Immunologie, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover, Deutschland, E-Mail: Jan-michael.Brandt@stud.mh-hannover.de
Publikationsverlauf
Artikel online veröffentlicht:
08. September 2022
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