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DOI: 10.1055/s-0042-1755896
Hüftgelenksnahe Frakturen – wo verpassen wir bei unseren Patienten die Osteoporose-Diagnostik?
Authors
Einleitung Ziel einer guten Osteoporosetherapie ist es, die Frakturwahrscheinlichkeit zu senken. Insbesondere die hüftgelenksnahen Frakturen gehören hier zu den von Patienten wie Ärzten gefürchteten Frakturen, die einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität des Patienten haben und auch heute noch mit einer hohen Mortalität verbunden sind.
Methode In dieser ersten Auswertung wurden Patienten mit hüftgelenksnaher Fraktur nach Niedrigenergietrauma in den Monaten April bis September 2021 in unserem Haus hinsichtlich bestehender Risikofaktoren und einer bekannten Osteoporose sowie ggf. laufender Therapie analysiert.
Ergebnisse Es konnten 90 Patienten eingeschlossen werden. Die Patienten hatten ein Durchschnittsalter von 78 Jahren (49-97) und 64 von ihnen waren weiblich. Bei 29 fand sich eine Osteoporose in den Nebendiagnosen, darunter 9 Patienten ohne Therapie und 17 mit einer Vitamin-D-Substitution. Eine spezifische Therapie erhielten 4 Patienten. Unter den 29 Patienten wiesen 18 eine Vorfraktur auf. Führend in dieser Gruppe waren die hüftgelenksnahen Fraktuern (n=5), gefolgt von den proximalen Humerusfrakturen (n=4). In der Gruppe ohne Osteoporosediagnose (n=60) waren 41 Patienten über 70 Jahre alt. Zwei Patienten nahmen regelmäßig Glucocorticoide und 19 PPIs ein. Innerhalb der 60 Patienten wiesen 18 eine Vorfraktur auf. Unter den Vorfrakturen waren die distalen Radiusfrakturen und die hüftgelenksnahen Frakturen mit jeweils 3 führend. Anamnestisch bestanden zudem bei 4 Patienten Schenkelhalsfrakturen bei den Eltern. Insgesamt erfüllten 74 der 90 Patienten im Vorfeld die Kriterien der DVO für eine Osteoporosediagnostik. Bei 47 Patienten erfolgte die Diagnostik – bei 39 inklusive Knochendichtemessung. Bei 24 Patienten erfolgte dann die Diagnose Osteoporose; bei 15 Patienten wurde diese ausgeschlossen.
Diskussion Diese Auswertung belegt, dass immer noch ein erheblicher Teil der Patienten mit den verschiedensten Risikofaktoren durch unser Diagnoseraster fällt und selbst eine Diagnosestellung nicht zwingend zu einer adäquaten Therapie führt. Somit ist die Aufklärungsarbeit über Risikofaktoren und auch über die spezifische leitlliniengerechte Osteoporosetherapie dringend notwendig. In Bezug auf den häufigsten Risikofaktor ist eine stattgehabte Fraktur neben dem Alter in unserem Klientel klar führend. Daher sollte gerade in der Unfallchirurgie vermehrt ein Bewusstsein für dieses Krankheitsbild und die entsprechende Therapie geschaffen werden.
Keywords Osteoporose, hüftgelenksnahe Fraktur, Schenkelhalsfraktur, pertrochantäre Femurfraktur, Femurfraktur, Osteoporosediagnostik, Diagnoselücke
Korrespondenzadresse Steffi Falk, Unimedizin Rostock, Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Schillingallee 35, 18057 Rostock, Deutschland, E-Mail: steffi.falk@med.uni-rostock.de
Publication History
Article published online:
08 September 2022
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Georg Thieme Verlag
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany
