Zusammenfassung
Die überwiegende Zahl von Begutachtungen bei geltend gemachten psychischen Störungen
nach Unfällen betrifft nach objektiven Kriterien minderschwere Ereignisse. Drei Fragen
stehen in diesem Fall im Vordergrund: War das Ereignis gemäß den psychiatrischen Klassifikationssystemen
(insbesondere nach dem aktuellen DSM-5) überhaupt geeignet, eine Traumafolgestörung
hervorzurufen? Welcher psychische oder körperliche Erstschaden ist ohne vernünftigen
Zweifel („Vollbeweis“) nachweisbar? Welche Bedeutung kommt persönlichkeits- und schädigungsunabhängigen
konkurrierenden Faktoren bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung der psychischen
Störung zu? Länger anhaltende psychische Störungen nach minderschweren Unfallereignissen
sind vor allem dann anzuerkennen, wenn weiterhin relevante körperliche Unfallfolgen
bestehen. Bei der Zusammenhangsbeurteilung sind dabei die Unterschiede in den verschiedenen
Rechtsgebieten zu beachten.
Abstract
The majority of medicolegal assessments in claimed psychic sequelae after accidents
concerns minor traumatic events. In this case, the focus is on three questions: Was
the event appropriate to cause a traumatic disturbance according to current psychiatric
classification systems (especially current DSM-5)? Which psychical or physical initial
injury can be proven beyond reasonable doubt (“full proof”) according to German law?
What is the impact of personality characteristics and competing life events in the
development and maintenance of the mental disorder? Causality between mental disorders
and minor traumatic events is to be confirmed especially in the case of persistent
physical accident sequelae, but attention has to be paid to the differences in the
various legal requirements.
Schlüsselwörter
Begutachtung - PTBS - Anpassungsstörungen
Key words
expert opinion - PTSD - adjustment disorders