Gastroenterologie up2date 2017; 13(02): 179-195
DOI: 10.1055/s-0043-104470
Darm/Anorektum
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Untere und mittlere gastrointestinale Blutung

Kira Grün
,
Jörg G. Albert
,
Christoph Sarrazin
,
Wolfgang Reuß
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
29. Juni 2017 (online)

Die gastrointestinale Blutung mit Blutungsquelle im Dünndarm zwischen Treitz-Band und Ileozökalklappe wird als mittlere intestinale Blutung bezeichnet und so von der unteren intestinalen Blutung (Dickdarm) abgegrenzt. Dieser Beitrag zeigt die diagnostischen Möglichkeiten und therapeutischen Optionen bei unteren und mittleren intestinalen Blutungen.

Kernaussagen
  • Bei einer Blutung distal des Treitz-Bandes kann eine mittlere intestinale Blutung mit einer Blutungsquelle im Dünndarm (zwischen Treitz-Band und Bauhin-Klappe) von einer unteren intestinalen Blutung im engeren Sinn (Kolon) aus klinischer Sicht mit entsprechender epidemiologischer, diagnostischer und therapeutischer Relevanz abgegrenzt werden.

  • Die mittlere und untere gastrointestinale Blutung manifestiert sich als positiver okkulter Stuhlbluttest, als unerklärte Eisenmangelanämie, sichtbarer Teerstuhl, ein intermittierendes „Blutschmieren“ beim Stuhlgang oder als aktive Hämatochezie.

  • Häufige Blutungsquellen im Kolon sind Divertikel, Angiektasien, Neoplasien und entzündliche Darmerkrankungen unterschiedlicher Genese. Im Dünndarm werden Angiektasien, Ulzera bzw. Erosionen bei NSAR-Gebrauch oder ein Morbus Crohn, Tumoren, Metastasen und Divertikel gefunden.

  • Die Diagnostik ist eine Domäne der Koloskopie und der neuen Enteroskopieverfahren (Kapselendoskopie, Ballonenteroskopie).

  • Selten sind szintigrafische Verfahren und die Röntgenkontrastdarstellung des Dünndarms hilfreich. Für ausgewählte Patienten im spezialisierten Zentrum stehen die Angiografie und die intraoperative Enteroskopie zur Verfügung. In einigen Fällen kann die hochauflösende CT, ggf. mit Angiografie, weiterhelfen.

  • Die Therapie richtet sich nach dem Befund und ist ebenfalls eine Domäne der Endoskopie, umfasst aber auch radiologische und operative Verfahren.