Inf Orthod Kieferorthop 2017; 49(01): 9-10
DOI: 10.1055/s-0043-105011
Sehen und Verstehen – KFO im Video
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kortikotomie – chirurgisch unterstütze Zahnbewegung

X. Rausch-Fan1, 2, E. Astl2, H. Neuner2, G. D. Strbac3
  • 1Fachbereich für konservierende Zahnerhaltung und Parodontologie, Universitätszahnklinik Wien
  • 2Fachbereich für Kieferorthopädie, Universitätszahnklinik Wien
  • 3Fachbereich für Orale Chirurgie, Universitätszahnklinik Wien
Further Information

Publication History

Publication Date:
25 April 2017 (online)

Georg Thieme Verlag. Please enable Java Script to watch the video.

In diesem Video soll das chirurgische Verfahren einer Kortikotomie mit Einbringung eines Knochenersatzmaterials als Unterstützung der Zahnbewegung bei einem orthodontischen Lückenschluss veranschaulicht werden. Der Vorteil dieser Technik liegt in der deutlichen Verkürzung der Behandlungsdauer, was die Methode vor allem in der kieferorthopädischen Erwachsenenbehandlung zu einer interessanten Therapieoption macht. Ein schneller Lückenschluss führt zu einer verkürzten Behandlungszeit und somit zu einem zufriedenen Patienten und einem ökonomischen Vorteil des Behandlers [1] ▶ Video 1.

Das Konzept der Kortikotomie beruht auf einer beabsichtigten Schwächung des kortikalen Knochens, um eine Änderung des Knochenmetabolismus zu erzeugen. Durch den vorübergehenden Zustand des erhöhten Knochenumsatzes, welcher als ein Phänomen der regionale Beschleunigung „Regional Acceleratory Phenomenon (RAP)“ beschrieben wird, kommt es zu einer reversiblen Osteopenie. Der Zustand der Osteopenie kommt dabei durch den Erhalt eines konstanten Knochenvolumens bei gleichzeitig herabgesetzter Knochendichte zustande. Dieses Phänomen soll zu einer schnelleren Zahnbewegung führen, da die Zähne durch eine geschwächte Knochendecke und minder mineralisierten Knochen bewegt werden [3] [4].

Es gibt verschiedene chirurgische Therapieansätze der Kortikotomie [2] [5]. In diesem Video wird der Ablauf einer piezoelektrischen Kortikotomie beschrieben. Nachdem ein Mukoperiostlappen gebildet wird, werden mittels einer piezoelektrischen Knochensäge, dem Piezotom, vertikale, 3 mm tiefe kortikale alveoläre Schnitte im Abstand von 1mm gesetzt ([Abb. 1]). Optional kann ein Knochentransplantat zur Vergrößerung des alveolären Volumens und Aufwertung des Zahnhalteapparates eingefügt werden ([Abb. 2]). Dadurch soll die Stabilität langfristig erhöht werden. Vorteil der piezoelektrischen Säge gegenüber der ursprünglichen Kortikotomie mit Bohrern ist eine präzise Osteotomie mit reduziertem Verletzungsrisiko für Zähne und Knochen und ohne Risiko einer Osteonekrose [2]. Die Wirkung der Kortikotomie ist transitorisch [5] [6]. Eine regelmäßige Nachaktivierung (alle 2–3 Wochen) der kieferorthopädischen Apparatur in dieser Zeit ist empfehlenswert. Der Effekt der RAP kann mit fortgeschrittener Behandlungszeit und Zahnbewegung sinken, sollte jedoch mindestens 4 Monate anhalten [4] [7] ([Abb. 3]).

Zoom Image
Abb. 1 Vertikale kortikale Schnitte einer piezoelektrischen Knochensäge.
Zoom Image
Abb. 2 Einbringung des Knochenersatzmaterials.
Zoom Image
Abb. 3 Zustand nach durchgeführter Kortikotomie.