Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2018; 53(02): 126-140
DOI: 10.1055/s-0043-108216
Topthema
CME-Fortbildung
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Respiratorisches Versagen: Innovationen zur Diagnostik und Therapie

Respiratory Failure: Innovations in Diagnostics and Therapy
Gunther Hempel
,
Philipp Simon
,
Peter Salz
,
Hermann Wrigge
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Publication History

Publication Date:
09 February 2018 (online)

Zusammenfassung

Die akute oder chronische respiratorische Insuffizienz hat eine große Bedeutung sowohl in der präklinischen als auch innerklinischen Versorgung. Sie zählt zu den häufigsten Gründen für stationäre Aufnahmen. Dieser Beitrag fasst aktuelle Entwicklungen in der Diagnostik und Therapie des Krankheitsbildes zusammen. Darüber hinaus gibt er einen Ausblick, wie sich die Behandlung in den kommenden Jahren weiterentwickeln könnte.

Abstract

Acute and chronic respiratory failures require immediate diagnosis and preferably individualized ventilation therapy. If possible, non-invasive ventilation should be considered to avoid complications of invasive mechanical ventilation. Especially in patients with ARDS and moderate to severe cases, non-invasive ventilation may not be suitable and should not be used uncritically.

Invasive mechanical ventilation parameters should be adjusted individually. In the future, additional parameters such as transpulmonary pressure, monitoring of regional ventilation using electrical impedance tomography could help to individualize ventilator settings. Problems include the lack of wide distribution of these techniques and automatic tools for data analyses are missing.

So for today the best thing is to implement the current evidence consequently. This includes lung-protective ventilation with an adequate PEEP and a tidal volume between 6 and 8 ml/kg IBW and a limitation of peak pressure or driving pressure. According to this early mobilization and positioning including prone-position is important, same as a score-based sedation regime and an individualized volume therapy.

Kernaussagen
  • Die akute und chronische respiratorische Insuffizienz bedarf einer umgehenden und zielgerichteten Diagnostik sowie anschließend einer möglichst individualisierten Therapie.

  • Wenn möglich sollten nichtinvasive Beatmungsformen eingesetzt werden, um Komplikationen der invasiven Beatmung zu vermeiden. Die NIV stellt jedoch keinen Ersatz für die invasive Beatmung dar, wenn wichtige Gründe für einen invasiven Beatmungszugang sprechen. Die NIV sollte bei ARDS, insbesondere den schwereren Formen, nicht unkritisch eingesetzt werden.

  • Die invasive maschinelle Beatmung sollte möglichst individualisiert durchgeführt werden. Künftig können ergänzende Parameter wie die Überwachung des transpulmonalen Druckes oder das Monitoring mittels EIT dabei helfen, individualisierte Beatmungsparameter zu finden. Problematisch sind hierbei vor allem noch die aktuell fehlende flächendeckende Verbreitung entsprechender Geräte und das Fehlen automatischer Analysetools, die den Behandler in der Therapiefestlegung unterstützen.

  • Zum aktuellen Zeitpunkt ist vor allem die konsequente Umsetzung der vorhandenen evidenzbasierten Maßnahmen bzw. Leitlinienempfehlungen wichtig. Dazu gehören u. a. die lungenprotektive Beatmung mit einem adäquaten PEEP und einem Tidalvolumen zwischen 6 und 8 ml/kg IBW sowie die Begrenzung des Spitzendruckes und ein möglichst niedriger Driving Pressure.

  • Weitere Leitlinienempfehlungen sind die frühestmögliche Mobilisierung inklusive spezieller Lagerungsmaßnahmen (Bauchlage), die scoregestützte Sedierung (Ziel-RASS 0/− 1) und eine differenzierte Volumentherapie.