Notf.med. up2date 2017; 12(02): 143-155
DOI: 10.1055/s-0043-108525
Allgemeine und organisatorische Aspekte
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Neubewertung extraglottischer Atemwegshilfsmittel in der Notfallmedizin

Arnd Timmermann, Sebastian G. Russo
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Publication Date:
02 June 2017 (online)

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die klinischen Grundlagen von extraglottischen Atemwegshilfen (EGA), beschreibt den potenziell sinnvollen Einsatz in der präklinischen Notfallmedizin, stellt die derzeit aktuellen Studien vor, analysiert mögliche Schwachstellen hinsichtlich der Art der verwendeten Atemwegshilfen und beleuchtet die Ausbildung der medizinischen Notfallteams. Auch der rettungsdienstliche Einsatz von Atemwegshilfen bei Kindern wird dargestellt.

Kernaussagen
  • Der Goldstandard der Atemwegssicherung ist weiterhin die endotracheale Intubation.

  • Extraglottische Atemwegshilfen (EGA) haben vor allem Vorteile im schnelleren Erlernen der Platzierung im Vergleich zur laryngoskopischen endotrachealen Intubation.

  • Wenn extraglottische Atemwegshilfen verwendet werden, dann sollten

    • zwingend die der 2. Generation verwendet werden,

    • der Cuffdruck auf 60 cm H2O begrenzt werden,

    • die Tests zur Lagebestimmung obligat durchgeführt werden.

  • Wissenschaftliche Studien zeigen bislang bei präklinisch reanimierten Patienten ein schlechteres Langzeitergebnis bei Verwendung einer extraglottischen Atemwegshilfe im Vergleich zur Maskenbeatmung und endotrachealer Intubation.

  • Das schlechtere Abschneiden der extraglottischen Atemwegshilfe könnte an der unzureichenden Ausbildung, der fehlenden Lagekontrolle, der fehlenden Einlage einer Magensonde und an für den jeweiligen EGA spezifischen Komplikationen liegen.

  • Die innerklinische Ausbildung muss mit der Ausrüstung der Rettungsmittel abgestimmt werden.

  • Im Vergleich mit dem Larynxtubus zeichnen sich andere supraglottische Atemwegshilfen (SGA) aus durch

    • eine schnellere und erfolgreichere Einlage,

    • weniger Komplikationen und

    • ein breiteres Anwendungsspektrum.