PSYCH up2date 2017; 11(05): 429-441
DOI: 10.1055/s-0043-109261
Schizophrenien, schizophreniforme und wahnhafte Störungen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Schizoaffektive Störungen: eine klinische Herausforderung

Markus Jäger
Further Information

Publication History

Publication Date:
13 September 2017 (online)

Schizoaffektive Störungen werden im klinischen Alltag häufig diagnostiziert. Allerdings handelt es sich hier nicht selten auch um Verlegenheitsdiagnosen. Die Therapie kann aufgrund des Fehlens von evidenzbasierten Behandlungsleitlinien erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Dieser Beitrag führt in die psychopathologischen Grundlagen sowie die aktuelle Diagnostik ein und zeigt mögliche Therapieoptionen auf.

Kernaussagen
  • Das Konzept der schizoaffektiven Psychose wurde von Jacob Kasanin eingeführt, um episodisch verlaufende Psychosen mit günstiger Prognose von chronisch verlaufenden Schizophrenien abzugrenzen. Im weiteren Verlauf fanden die schizoaffektiven Störungen Einzug in die offiziellen Diagnosemanuale und werden heute sowohl in der ICD-10 als auch im DSM-5 aufgeführt.

  • Das wesentliche Charakteristikum der schizoaffektiven Störungen ist in ICD-10 und DSM-5 das gleichzeitige Auftreten von „schizophrenen“ und affektiven Symptomen.

  • Die diagnostischen Kriterien von ICD-10 und DSM-5 weichen deutlich voneinander ab, da im DSM-5 für den Zeitraum von 2 Wochen eine zeitliche Dissoziation zwischen psychotischen und affektiven Störungen gefordert wird.

  • Die schizoaffektiven Störungen zeigen einen überwiegend rezidivierend-vollremittierenden Verlauf mit einem eher günstigen Outcome. Chronische Verlaufsformen ohne Vollremission zwischen den einzelnen Phasen sind selten. Sie werden jedoch vor allem in Fällen beobachtet, welche die DSM-5-Kriterien für die schizoaffektiven Störungen erfüllen.

  • Bisher gibt es kaum evidenzbasierte Behandlungsempfehlungen für die schizoaffektiven Störungen.

  • Die Akuttherapie von schizomanischen, schizodepressiven und gemischten Episoden sollte sich primär auf ein Antipsychotikum stützen. Bei schizomanischen oder gemischten Episoden ist der zusätzliche Einsatz eines Mood-Stabilizers denkbar. Bei schizodepressiven Episoden kann zusätzlich ein Antidepressivum eingesetzt werden.

  • Die Langzeittherapie bzw. Rezidivprophylaxe sollte primär mit einem Antipsychotikum erfolgen.