Dtsch med Wochenschr 2017; 142(18): e124-e130
DOI: 10.1055/s-0043-109525
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Prioritäten deutscher Onkologen. Auswertung der „Klug entscheiden“-Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO)

Priorities of German Oncologists. Results of the „choosing wisely“ survey of the German Society of Hematology and Medical Oncology (DGHO)Stefan W. Krause1, Michael Oldenburg2, Michael Hallek3, Andreas Neubauer4
  • 1Medizinische Klinik 5, Hämatologie und Internistische Onkologie, Universitätsklinikum Erlangen
  • 2Hauptstadtbüro der DGHO
  • 3Klinik I für Innere Medizin, Uniklinik Köln
  • 4Klinik für Hämatologie, Onkologie, Immunologie in Marburg, Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Further Information

Publication History

Publication Date:
08 September 2017 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) hatte im Rahmen der „Klug entscheiden“-Initiative ihre Mitglieder zur Über- und Unterversorgung befragt. Aus der großen Menge an Antworten ergab sich ein überraschend deutliches Meinungsbild, das für die hier vorliegende Darstellung quantitativ ausgewertet wurde.

Methodik Die Bewertung der vorformulierten Empfehlungen wird mittels beschreibender Statistik dargestellt. Die Freitextantworten wurden in einem iterativen Verfahren in 3 Ebenen nach der medizinischen Aussage und ergänzend nach der allgemeinen Zielrichtung kategorisiert.

Ergebnisse 492 DGHO-Mitglieder schlossen die Online-Umfrage in der kurzen Frist von 14 Tagen vollständig ab. Die vorgeschlagenen Empfehlungen zur Vermeidung von Überversorgung fanden eine breite inhaltliche Zustimmung (77 % bis 88 % der Teilnehmer). In den 1598 Freitextantworten wurde der Verzicht auf unnötigen Einsatz von Ressourcen und unnötige Belastung von Patienten in Übereinstimmung mit unseren Empfehlungen gefordert. Eine mögliche Unterversorgung wurde weniger auf dem Gebiet teurer medizinischer Maßnahmen gesehen (17 % der Antworten) als vielmehr bei weichen Faktoren: „sprechende“ Medizin, individuelle Therapieführung, Supportivtherapie und Palliativtherapie sowie soziale Ressourcen (62 %).

Schlussfolgerung Aus den Antworten ergab sich ein deutliches Votum für ein Mehr an sprechender Medizin in der onkologischen Versorgung. Jeder beteiligte Arzt kann hierzu beitragen. Strukturelle Verbesserungen in der Vergütung und Weiterbildung sind jedoch wünschenswert.

Abstract

Background During the preparation of “choosing wisely” recommendations, the German Society of Hematology and Medical Oncology (DGHO) had performed a member survey. The large body of replies was systematically and quantitatively analyzed for this report.

Methods Replies to the draft recommendations are quantified. Free text replies were iteratively categorized in three levels according to medical categories and additionally, according to their general target of necessary action.

Results 492 members completed the survey within the given limit of 2 weeks. Draft recommendations against oversupply were widely supported (77 %–88 %). 1598 free text replies were analyzed. Unnecessary use of resources was requested in several fields in accordance with our recommendations. Strong demand was put forward regarding soft factors: “talking medicine”, individually tailored therapy, supportive medicine and palliative care (51 % together) and social resources (11 %). Possible under-supply was less frequently described in fields of expensive measures (17 % of replies).

Conclusion In the replies to our survey, we found a strong statement for a plus in talking medicine in oncology. Every physician caring for these patients can contribute to this demand. Structural improvements in continuing education and reimbursement in this field are desirable.