Pneumologie 2018; 72(06): 458-472
DOI: 10.1055/s-0043-110097
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E-Zigaretten: gesundheitliche Bewertung und potenzieller Nutzen für Raucher

E-Cigarettes: Assessment of Health Effects and Potential Benefits for Smokers
K. Schaller
,
U. Mons

Subject Editor: Wissenschaftlich verantwortlich gemäß Zertifizierungsbestimmungen für diesen Beitrag ist Prof. Dr. med. Tom Schaberg, Rotenburg.
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Publication Date:
08 June 2018 (online)

Zusammenfassung

In E-Zigaretten wird eine aromatisierte Flüssigkeit erhitzt, und der Konsument inhaliert das dabei entstehende Aerosol. Die große Vielfalt der E-Zigaretten und Liquids erschwert die Abschätzung der gesundheitlichen Auswirkungen der verschiedenen Produkte. Die Inhaltsstoffe der Liquids sind – abgesehen von Nikotin – für die orale und dermale Aufnahme unbedenklich, zu den gesundheitlichen Auswirkungen chronischer Inhalation fehlen jedoch toxikologische Daten. Studien haben im E-Zigaretten-Aerosol verschiedene gesundheitsschädliche Substanzen nachgewiesen, darunter auch Kanzerogene, allerdings in niedrigerer Konzentration als in Tabakrauch. Die vorliegenden Studien deuten darauf hin, dass E-Zigaretten-Konsum zu kurzfristigen Gesundheitseffekten wie entzündlichen Reaktionen in der Lunge führt. In Tier- und Zellversuchen zeigte E-Zigaretten-Aerosol gesundheitsschädliche Effekte wie Zytotoxizität, verstärkte Infiltration von Entzündungszellen und entzündungsfördernden Zytokinen, erhöhten oxidativen Stress und moderate Entzündung.

Sehr wahrscheinlich ist der E-Zigaretten-Konsum im Vergleich zum Tabakrauchen weniger schädlich, aufgrund fehlender Studien zu langfristigen Gesundheitsgefahren kann das Ausmaß der Schadensminderung jedoch nicht quantifiziert werden. Zwar verwenden Raucher E-Zigaretten oftmals, um mit dem Rauchen aufzuhören, aber derzeit sind die Produkte nicht als Hilfsmittel zur Tabakentwöhnung zugelassen. Da E-Zigaretten-Aerosol eine neue Quelle für die Belastung der Raumluft ist, ist davon auszugehen, dass es für im Raum anwesende Nichtkonsumenten eine Gesundheitsgefährdung bedeutet, insbesondere für vulnerable Personengruppen wie Kinder oder Menschen mit Gesundheitsproblemen. Auf die öffentliche Gesundheit können sich E-Zigaretten positiv auswirken, wenn viele Raucher vollständig vom Tabakrauchen auf E-Zigaretten-Konsum umsteigen und langfristig auch diesen einstellen, und wenn gleichzeitig negative Effekte (wie steigender Konsum unter Jugendlichen) begrenzt bleiben.

E-Zigaretten vernebeln eine zumeist nikotinhaltige Lösung, die vom Konsumenten ähnlich wie beim Rauchen inhaliert wird. Immer mehr Menschen – v. a. Raucher – probieren die Produkte aus. Für Raucher bedeuten E-Zigaretten im Vergleich zu herkömmlichen Tabakzigaretten eine geringere Schadstoffbelastung, aber sie sind keine harmlosen Life-Style-Produkte.

Abstract

E-cigarettes are electronic devices used to vaporize a flavored liquid resulting in aerosols to be inhaled by the user. The high variety of e-cigarettes and liquids makes it difficult to assess the health effects of e-cigarette use. The ingredients of the liquids – apart from nicotine – are generally recognized as safe for oral and dermal use, however, toxicological data on health effects upon chronic inhalation are missing. Studies have detected several harmful substances in e-cigarette aerosol, including carcinogens, but in lower concentrations than tobacco smoke. Evidence suggests that e-cigarette use entails acute health effects such as inflammatory responses in the lung. In animal and in vitro studies e-cigarette aerosol showed adverse effects like cytotoxicity, increased infiltration of inflammatory cells and pro-inflammatory cytokines, increased oxidative stress and moderate inflammation. Compared to tobacco smoking e-cigarettes are very likely to be less harmful, however, due to scarce data the extent of harm reduction cannot be quantified. Although smokers often use e-cigarettes to quit smoking, currently they are not approved as smoking cessation aids. As e-cigarette aerosol is a new source of air pollution, it is reasonable to assume that it poses an increased health risk to bystanders, in particular to vulnerable persons such as children and people with health conditions. E-cigarettes can have a positive effect on public health, if many smokers completely switch from smoking tobacco to e-cigarettes and, finally, also stop e-cigarette use, and if at the same time adverse consequences (such as increased initiation among youths) remain limited.

Kernaussagen
  • In E-Zigaretten wird eine – meist nikotinhaltige – aromatisierte Flüssigkeit erhitzt und vernebelt und das dabei entstehende Aerosol vom Konsumenten inhaliert.

  • Es gibt viele E-Zigaretten-Typen, die ständig weiterentwickelt werden, und viele verschiedene Liquids, sodass sich die Produkte stark voneinander unterscheiden können.

  • Die meisten Inhaltsstoffe der Liquids sind für die orale oder dermale Aufnahme zugelassen, toxikologische Daten zu einer langfristigen Inhalation fehlen aber.

  • Das zumeist in den Liquids enthaltene Nikotin wird aus modernen Geräten ähnlich gut abgegeben wie aus Tabakzigaretten. Nikotin macht abhängig und steht zunehmend im Verdacht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Tumorwachstum zu fördern; es beeinträchtigt sehr wahrscheinlich die Lungenentwicklung des Ungeborenen und bei Jugendlichen die Hirnreifung.

  • E-Zigaretten-Aerosol wirkt in Tier- und Zellversuchen entzündungsfördernd, zytotoxisch, beeinträchtigt die Zellproliferation, verursacht oxidativen Stress und verändert die Genexpression.

  • E-Zigaretten-Konsum kann kurzfristig die Lungenfunktion beeinträchtigen und zu einer entzündlichen Reaktion in den Atemwegen führen, insbesondere bei Asthmatikern.

  • Mögliche langfristige Gesundheitsschäden wurden bislang kaum untersucht.

  • Im Vergleich zu Tabakzigaretten sind E-Zigaretten sehr wahrscheinlich weniger schädlich.

  • E-Zigaretten sind derzeit nicht zur Tabakentwöhnung zugelassen, können für Raucher aber eine weniger schädliche Alternative zum Rauchen sein, wobei sich das Ausmaß der Schadensreduzierung derzeit nicht verlässlich beziffern lässt.

  • E-Zigaretten tragen zur Belastung der Raumluft bei, wenn auch in wesentlich geringerem Maß als Tabakrauch. Das Ausmaß einer möglichen Gesundheitsgefährdung ist derzeit unbekannt.