Fortschr Röntgenstr 2017; 189(10): 967-976
DOI: 10.1055/s-0043-112338
Academic Radiology
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Wer sind die Radiologen von Morgen? Deutschlandweite Evaluation der Radiologie im Praktischen Jahr

Article in several languages: English | deutschSabine Dettmer1, Volkhard Fischer2, Carolin Paeßens1, Simone Meyer1, Frank K. Wacker1, Thomas Rodt1
  • 1Department for Diagnostic and Interventional Radiology, Hannover Medical School, Hannover, Germany
  • 2Dean’s Office for Medical Education, Hannover Medical School, Hannover, Germany
Further Information

Publication History

15 March 2017

15 May 2017

Publication Date:
11 July 2017 (eFirst)

Zusammenfassung

Ziel Ziel unserer Studie war es, anhand einer Umfrage auszuwerten, was junge Studierende im Praktischen Jahr zu einer Facharztweiterbildung in der Radiologie motiviert.

Material und Methoden Im Studienjahr 2015/16 erfolgte eine deutschlandweite Umfrage unter PJ-Studierenden mit dem Wahlfach Radiologie zu zwei Zeitpunkten, vor und nach dem PJ. Die Einladung zur Umfrage erfolgte über die PJ-Beauftragten aller 37 medizinischen Universitäten in Deutschland. Die Umfrage erfolgte webbasiert mit EvaSys 7.0. Es wurden Fragen zur Lehre der Radiologie im Studium und im PJ, zum gewünschten Weiterbildungsfach und zu den Vor- und Nachteilen der Radiologie aus Studierendensicht abgefragt. Die Auswertung erfolgte über deskriptive Statistik und Gruppenvergleiche.

Ergebnisse An der Umfrage hatten 89 Studierende vor und 60 Studierende nach ihrem PJ teilgenommen. Anhand des persönlichen Codes konnten 39 Studierende identifiziert werden, die an beiden Umfrageteilen teilgenommen hatten. Die meisten Studierenden waren mit ihrem PJ in der Radiologie zufrieden (Mittelwert 1,8; Skala 1 – 5). Kritisiert wurden die Betreuung am Arbeitsplatz (Mittelwert 2,1) und die Fortbildungen der Abteilung (Mittelwert 2,1). 83 % der Studierenden waren zu Beginn des PJ bezüglich ihres Weiterbildungsfaches noch unsicher, 1/5 änderte während des PJ ihre Meinung diesbezüglich. Als Vorteile der Radiologie wurden insbesondere der Kontakt zu vielen Fachrichtungen (87 %) und die Arbeitsbedingungen (68 %) genannt, als Nachteile vor allem der geringe Patientenkontakt (42 %), die überwiegende Arbeit am PC (43 %) und die Abhängigkeit vom Zuweiser (42 %). 63 % der Studierenden fühlten sich durch die radiologische Lehre im Medizinstudium unzureichend auf ihre ärztliche Tätigkeit vorbereitet. In der curricularen radiologischen Lehre wird aus Studierendensicht insbesondere die praktische Bildbetrachtung nicht ausreichend vermittelt.

Schlussfolgerung Das PJ ist ein für die Facharztwahl wichtiges Studienjahr, in dem sich Wünsche bezüglich des Weiterbildungsfaches und Ansichten zur Radiologie noch ändern. Bei insgesamt großer Zufriedenheit waren insbesondere die Betreuung an den Arbeitsplätzen und die Fortbildungen Kritikpunkte und gleichzeitig relevante Faktoren für das Interesse an dem Fachgebiet, so dass hier Potenzial für Verbesserung besteht.

Kernaussagen

  • Das PJ ist ein für die weitere Facharztwahl wichtiges Studienjahr.

  • Hauptkritikpunkte am PJ-Wahlfach Radiologie sind die Arbeitsplatzbetreuung und die Fortbildungen.

  • Die Studierenden fühlen sich zu wenig praktisch auf ihre ärztliche Tätigkeit vorbereitet.

Zitierweise

  • Dettmer S, Fischer V, Paeßens C et al. Who Will Be the Radiologists of Tomorrow? A Survey of Radiology during the “Practical Year” in Germany. Fortschr Röntgenstr 2017; 189: 967 – 976