Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2018; 53(02): 142-148
DOI: 10.1055/s-0043-114639
Leitlinien in der Praxis
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Behandlung der Sepsis und des septischen Schocks – die neuen Leitlinien

SSC International Guideline 2016 – Management of Sepsis and Septic Shock
Tim Rahmel
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Publication History

Publication Date:
09 February 2018 (online)

Zusammenfassung

Die neue Leitlinie der Surviving Sepsis Campaign wurde im Jahr 2016 überarbeitet und im Jahr 2017 veröffentlicht. Darüber hinaus änderte sich durch „Sepsis-3“ die Definition der Sepsis im Jahr 2016 grundlegend, von einer Inflammation mit Infektion hin zu einer „lebensbedrohlichen Organ-Dysfunktion, die durch eine fehlregulierte Wirtsreaktion“ verursacht wird. Um die große Herausforderung zu bewältigen, die neuen Erkenntnisse zur Sepsisbehandlung mit der neuen Definition zu vereinen, wurden die Leitlinien vollständig neu strukturiert und umfassend überarbeitet. Die Leitlinie diskutiert die sepsisspezifische Behandlung und gibt Empfehlungen für allgemeine intensivmedizinische Maßnahmen. Der Artikel fasst die wichtigsten Empfehlungen zusammen und diskutiert zusätzlich einige entscheidende Änderungen. Dies soll den Leser ermutigen, die neue Leitlinie in den klinischen Alltag zu übernehmen und somit die Prognose der Patienten, die an einer Sepsis oder einem septischem Schock leiden, zu verbessern.

Die Surviving Sepsis Campaign (SSC) hat zu Beginn des Jahres 2017 eine Aktualisierung der zuletzt 2012 überarbeiteten Leitlinie zur Behandlung der Sepsis und des septischen Schocks veröffentlicht. Dabei wird die Literatur bis einschließlich Juli 2016 berücksichtigt [1], [2]. Die folgende Übersicht beinhaltet neben einer informativen Zusammenfassung auch Anregungen zur Umsetzung der modernen Sepsistherapie in der klinischen Praxis.

Abstract

The new guideline of the Surviving Sepsis Campaign was revised in 2016 and presented in 2017. Furthermore, “Sepsis-3” in 2016 completely changed the definition of Sepsis from inflammation plus infection to a “life-threatening organ dysfunction caused by a dysregulated host response”. To cope with the great challenge to unite the new evidence of sepsis treatment with the new definition of sepsis, the guidelines have been completely reconstructed and comprehensively deal with new evidence. The guidelines discuss sepsis-specific treatment and provide recommendations on general measures of intensive care for sepsis. The article summarizes the most important recommendations and additionally discusses some crucial amendments. This is intended to encourage the reader to incorporate the new guideline into clinical practice, thus improving the prognosis of patients suffering from sepsis or septic shock.

Kernaussagen
  • Die Sepsis ist definiert als lebensbedrohliche Organdysfunktion, die auf einer fehlregulierten Immunantwort auf eine Infektion basiert.

  • Neben einer unverzüglichen Fokussanierung sind Antibiotika mit breitem Wirkspektrum schnellstmöglich (< 1 h) nach Diagnosestellung zu verabreichen. Eine antibiotische Monotherapie ist zur Behandlung der Sepsis in der Regel ausreichend, eine Kombinationstherapie ist im septischen Schock primär indiziert.

  • Standardmäßig erhalten septische Patienten innerhalb der ersten drei Stunden 30 ml/kg kristalloide Infusionslösung.

  • Das Blutdruck-Ziel für Patienten im septischen Schock ist ein mittlerer arterieller Druck von 65 mmHg und Noradrenalin der Vasopressor der ersten Wahl.

  • Zur Verbesserung der Versorgungsqualität sollte die Initialbehandlung auf „Sepsis-Bundles“ basieren.

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