Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 2019; 14(02): 187-203
DOI: 10.1055/s-0043-117534
Wirbelsäule
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sagittale Balance und posttraumatische Kyphose – Teil 2

Andreas Pingel
,
Philipp Schleicher
,
Matti Scholz
,
Frank Kandziora
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Publication History

Publication Date:
25 March 2019 (online)

Chronische Rückenschmerzen und Funktionsstörungen des Achsenorgans können durch kyphotische Deformitäten der Wirbelsäule bedingt sein. Die posttraumatische Kyphose (PTK) als chronische erworbene sagittale Deformität ist eine der häufigsten Ursachen. In Teil 1 dieser Abhandlung wurden die theoretischen Grundlagen dieses Krankheitsbildes sowie des Konzeptes der sagittalen Balance dargestellt. In diesem Beitrag werden operative und konservative Behandlungskonzepte der posttraumatischen Kyphose beschrieben und chirurgische Behandlungstechniken diskutiert.

Kernaussagen
  • Die konservative Therapie ist indiziert bei höchstens moderater posttraumatischer Kyphose und besteht in erster Linie aus Erarbeitung eines muskulären Korsetts der Rücken-, Bauch- und Extremitätenmuskulatur; auch Korsetts kommen zum Einsatz. Die Erfolge bleiben hinter denjenigen der operativen Therapie zurück.

  • Die operative Korrekturbehandlung ist indiziert bei

    • persistierender Schmerzsymptomatik über 6 Monate trotz Ausschöpfung aller konservativen Maßnahmen,

    • neurologischer Ausfallsymptomatik.

  • Der Zugang wird geplant in Abhängigkeit von Ausmaß und der Lokalisation der Kyphose, Patientenalter, eventuellen Voroperationen, Rigidität oder Mobilität der Fehlstellung und umfasst rein anteriore, rein posteriore und Kombinationen dieser Zugangsformen.

  • Die Korrektur sollte möglichst auf viele Fixationspunkte verteilt werden.

  • Der Osteotomiespalt sollte nach dem Korrekturmanöver möglichst geschlossen sein.

  • Abhängig vom Korrekturbedarf ist zu entscheiden, ob eine oder mehrere Osteotomien, eventuell in Kombination, vorzunehmen sind.

  • Es werden folgende Formen der Osteotomie unterschieden:

    • Osteotomie der dorsalen Wirbelsäulenanteile,

    • partielle Wirbelkörperosteotomie,

    • Vertebral Column Resection (VCR) – komplette Wirbelkörperosteotomie, auch in Form multipler Wirbelkörperosteotomien.

  • Um einen haltbaren Korrekturhebel und eine funktionsbelastbare Primärstabilität zu erreichen, sollte ein ausreichend rigides Konstrukt implantiert werden.

  • Korrekturosteotomien der Wirbelsäule gehören zu den Hochrisikoeingriffen in der Wirbelsäulenchirurgie, die Komplikationen sind infolgedessen schwerwiegend und häufig.

  • Die Einschränkung der spinalen Gesamtmobilität nach versteifenden Korrekturoperationen scheint im Vergleich zum Normalkollektiv nicht signifikant größer zu sein.