Frauenheilkunde up2date 2018; 12(02): 119-137
DOI: 10.1055/s-0043-119813
Allgemeine Gynäkologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Harninkontinenz der Frau

Gert Naumann
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Publication Date:
28 June 2018 (online)

Die Harninkontinenz der Frau in der zweiten Lebenshälfte gehört zu den typischen Volkskrankheiten. Dabei zeigt sich ein fließender Übergang zwischen beginnender gelegentlicher Inkontinenz ohne wesentlichen Leidensdruck bis hin zu einer erheblichen Einschränkung der täglichen Lebensqualität bei massivem ständigem und unfreiwilligem Verlust von Urin. Neben konservativen Therapiemöglichkeiten gibt es auch effektive operative Verfahren.

Kernaussagen
  • Harninkontinenz der Frau ist eine Erkrankung mit hoher Prävalenz und hohem Leidensdruck.

  • Hauptformen sind die belastungsbedingte Inkontinenz sowie die überaktive Blase mit/ohne Harndranginkontinenz.

  • Erforderlich ist eine individuell abgestimmte Diagnostik unter dem Motto: „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ unter Einhaltung einer Stufendiagnostik.

  • Domäne der Behandlung der überaktiven Blase ist die medikamentöse Therapie mittels lokaler Östrogenisierung, Antimuskarinika oder Mirabegron. Nur im behandlungsrefraktären Fall kommen operative Interventionen wie Onabotulinumtoxin-A-Injektionen intravesikal oder sakrale Neuromodulation zur Anwendung.

  • Domäne der Behandlung der Belastungsinkontinenz ist die operative Therapie mittels Einlage einer spannungsfreien Vaginalschlinge oder Kolposuspension.

  • Bei fehlenden organischen Befunden ist an eine psychosomatische Komponente zu denken.

  • Bei komplexen Fällen, Therapieversagern oder Rezidivfällen soll man die Patientinnen immer an zertifizierte Beckenbodenzentren verweisen.