Akt Rheumatol
DOI: 10.1055/s-0043-120062
Übersichtsarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Traumata an der Wirbelsäule bei Patienten des rheumatischen Formenkreises

Spinal Trauma in Patients with Rheumatoid Diseases
Karl-Stefan Delank
Department for Orthopedic and trauma surgery, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Medizinische Fakultät, Halle
,
Michael Planert
Department for Orthopedic and trauma surgery, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Medizinische Fakultät, Halle
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Publication Date:
20 December 2017 (eFirst)

Zusammenfassung

Die Wirbelsäule des Patienten mit einer rheumatischen Grunderkrankung ist bei einer traumatischen Krafteinwirkung in vielerlei Hinsicht besonders gefährdet. Das mehr oder weniger ankylosierte Achsenskelett des Patienten mit einem Morbus Bechterew kann auch bei geringen Traumata infolge der langen Hebelarme leicht frakturieren. Infolge der verminderten Beweglichkeit, der gesenkten Blickachse und der Beteiligung peripherer Gelenke ist das Sturzrisiko dieser Patienten generell erhöht. Bei diesen Patienten ist eine biomechanisch angepasste, langstreckige mehrsegmentale Versorgung notwendig um eine ausreichende Stabilität zu erzielen. Moderne Implantate ermöglichen z. B. durch Zementaugmentation oder ein spezifisches Implantatdesign eine angemessene Verankerung. Im Frakturfall kann ggf. auch die Aufrichtung einer vorbestehenden Kyphose erfolgen. Hier ist allerdings das nicht unerhebliche neurologische Komplikationsrisiko zu beachten. Patienten mit einer chronischen Polyarthritis sind im Wesentlichen im Fall eines Traumas durch eine mehr oder weniger ausgeprägte Instabilität im Bereich der oberen Halswirbelsäule gefährdet. Aufgrund der überwiegend ligamentären Führung im Bereich des kraniozervikalen Überganges, kann es als Folge der entzündlich-destruierenden Krankheitsaktivität zu einer Instabilität insbesondere im Bewegungssegment C1/2 kommen. Diese Veränderungen gehen oftmals mit unspezifischen, eher geringen Beschwerden einher. Eine akute traumatische Belastung der oberen Halswirbelsäule kann aber zur Manifestation einer relevanten Dislokation führen. Eine dadurch ausgelöste Kompression nervaler Strukturen kann akute vital bedrohliche Zustände hervorrufen. Die frühzeitige chirurgische Stabilisation ist notwendig um das diesbezügliche Risiko zu reduzieren. Die Minderung der Knochendichte ist fast allen Patienten mit einer Erkrankung des rheumatischen Formenkreises gemeinsam. Ursachen sind neben der Grunderkrankung v. a. die medikamentöse Therapie bspw. mit Steroiden. Hinzu kommt eine durch Immobilität hervorgerufene Osteoporose. Alle mit der Osteoporose verbundenen besonderen Aspekte der traumatisierten Wirbelsäule sind daher grundsätzlich auch bei Patienten mit einer Erkrankung des rheumatischen Formenkreises zu berücksichtigen.

Abstract

Patients with a rheumatoid disease are particularly vulnerable to traumatic forces. In patients with Bechterew’s disease, the axial skeleton is subject to some extent of ankylosis and, therefore, at risk of a fracture even in case of a mild trauma. As a result of the reduced mobility, the lowered visual axis and the involvement of peripheral joints, the risk of falls is generally increased. In these patients, a biomechanically adapted, multisegmental instrumentation is needed to achieve adequate stability. Proper anchorage may be provided by modern implants, e. g. by using cement augmentation or a specific implant design. In case of a fracture, it may be possible to revise a preexisting kyphosis, although it must be borne in mind that this is associated with a significant risk of neurological complications. Patients with rheumatoid arthritis are vulnerable to trauma because they suffer from instability of the upper cervical spine. Due to the largely ligamentous balancing of the craniocervical junction, inflammatory destructive disease activity may cause instability, especially in the C1/2 segment. These changes are frequently associated with unspecific, usually mild pain. An acute trauma of the upper cervical spine, however, may lead to severe dislocation resulting in a compression of the spinal cord, which may cause acute life-threatening conditions. Early prophylactic surgical stabilisation is necessary to reduce this risk. Almost all patients with a rheumatoid disease have reduced bone density. This is due to the underlying disease, medical treatment, for example with corticosteroids, and osteoporosis as a result of immobilisation. All specific aspects of a traumatised osteoporotic spine must be considered in patients with a rheumatoid disease.