Akt Dermatol 2018; 44(01/02): 53-61
DOI: 10.1055/s-0043-121203
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Die Haut als Hormonfabrik: eine kurze Übersicht über die Vitamin-D-Versorgung in Deutschland

The Role of the Skin as Hormone Factory: a Short Overview of the Vitamin D Status in the German Population
J. Reichrath
1  Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar
,
R. Saternus
1  Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar
,
S. Reichrath
2  Institut für Anatomie, Universität des Saarlandes Homburg/Saar
,
T. Vogt
1  Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar
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Publication History

Publication Date:
09 February 2018 (online)

Zusammenfassung

Die optische Strahlung der Sonne, gerade auch deren für die kutane Vitamin-D-Synthese relevantes ultraviolettes Spektrum, ist seit Beginn der Evolution der Motor des Lebens auf unserem Planeten. Die Haut ist für den Vitamin-D-Stoffwechsel des Menschen von zentraler Bedeutung, da sie sowohl den Ort der UV-induzierten Vitamin-D-Synthese als auch ein wichtiges Zielorgan für die physiologische Wirkung des biologisch aktiven Vitamin-D-Metaboliten 1,25-Dihydroxyvitamin D (1,25(OH)2D3) darstellt. Die Bedeutung der positiven und negativen Effekte von UV-Strahlung für unsere Gesundheit wird derzeit sowohl in medizinischen Fachkreisen als auch in der allgemeinen Bevölkerung intensiv und kontrovers diskutiert. Dabei befinden wir uns in einem Dilemma. Einerseits stellt die solare UV-Strahlung den wichtigsten umweltbedingten Risikofaktor für die Entstehung von hellem Hautkrebs (Basalzellkarzinome, aktinische Keratosen, Plattenepithelkarzinome der Haut) dar und ist auch für die Pathogenese des malignen Melanoms von Bedeutung. Folgerichtig stellen Maßnahmen zum Sonnenschutz insbesondere bei Risikogruppen einen wichtigen Bestandteil zur Prävention von Hautkrebs dar. Andererseits wissen wir heute, dass auch eine unzureichende UV-Exposition der Haut durch den resultierenden Vitamin-D-Mangel mit schwerwiegenden gesundheitlichen Risiken (u. a. erhöhtes Risiko für zahlreiche Herz-/Kreislauf-, Infektions-, Autoimmun- und Krebserkrankungen) assoziiert ist. Denn der überwiegende Anteil des vom menschlichen Organismus benötigten Vitamin D wird in der Haut unter der Einwirkung von Sonnenlicht gebildet. Wenn diese natürliche Quelle der Vitamin-D-Versorgung nicht ausreichend genutzt wird, resultiert daraus meist ein Vitamin-D-Mangel. In diesem Beitrag wird das Spannungsfeld zwischen positiven und negativen Effekten der UV-Strahlung unter Berücksichtigung neuer Forschungsergebnisse erörtert, zusätzlich werden Empfehlungen zu einem gesundheitsbewussten Umgang mit der Sonne gegeben.

Abstract

Because the UV-spectrum of its optical radiation is of high relevance for cutaneous vitamin D synthesis, the sun has been the engine of live on our planet since the beginning of evolution. The skin represents a key tissue for the vitamin D endocrine system in humans, being both the place of UV-induced vitamin D synthesis and an important physiological target organ for 1,25-dihydroxyvitamin D (1,25(OH)2D), the biologically active vitamin D metabolite. UV-radiation exerts positive and negative effects, whose relevance for human health is at present controversially discussed in scientific communities and in the general population. On the one hand, solar UV radiation represents the most important environmental risk factor for carcinogenesis of non-melanoma skin cancer (basal cell carcinomas, actinic keratoses and squamous cell carcinomas) and is also of relevance for pathogenesis of melanoma. Consequently, UV protection is an important part of skin cancer prevention campaigns. On the other hand, lack of UV exposure causes vitamin D deficiency, that is associated with many diseases (including an increased risk for various types of cancer, cardio-vascular-, infectious- and autoimmune diseases). In this article, the dilemma of positive and negative effects of UV radiation is discussed and recommendations for responsible UV exposure that consider vitamin D status and new scientific findings are given.