Flugmedizin · Tropenmedizin · Reisemedizin - FTR 2017; 24(06): 269-272
DOI: 10.1055/s-0043-123063
Kasuistik
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Klapperschlangenbiss in einer deutschen Großstadt

Rattlesnake bite in a German big city
Andreas Montag
1   Praxis für Dermatologie und Venerologie, Hamburg
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Publication Date:
12 December 2017 (online)

Anamnese

Ein 54-jähriger, gesunder Mann wurde als registrierter privater Halter und Züchter diverser Giftschlangen beim Reinigen der Terrarien von einer seiner Klapperschlangen in die Endphalanx des kleinen Fingers der linken Hand gebissen. Der Schlangenbiss erfolgte ausschließlich mit einem Zahn.

Begleitet von verzehrenden lokalen Schmerzen verfärbte sich die Bissstelle innerhalb weniger Minuten tiefblauviolett und schwoll um das 3-fache des normalen Umfangs an.

Umgehend entfernte der Patient seinen Ehering und inzidierte die betroffene Bissstelle im Bereich der seitlichen Fingerkuppe mit einem notfallmäßig bereitliegenden, sterilen Skalpell ([Abb. 1]). Mittels einer kleinen Taschenpumpe, versuchte er sodann, möglichst viel des Giftes aus dem Bereich der Bissstelle herauszusaugen. Anschließend lagerte er den linken Arm hoch und kühlte Finger, Hand und betroffenen Arm.

Zoom Image
Abb. 1 Klinisches Bild Minuten nach dem Abwehrbiss einer Tamaulipas-Felsenklapperschlange (Crotalus lepidus morulus) in die Kleinfingerkuppe mit Inzision zum Absaugen des Giftes.
Quelle: Dr. Andreas Montag [rerif]

Dennoch weitete sich die schmerzhafte Schwellung aus und erreichte über Finger, Hand und Arm innerhalb der folgenden Stunde die linke Schulter. Unter selbstständiger Immobilisation des Armes in einer Schlinge besserte sich die Schmerzsymptomatik. Systemische Komplikationen blieben aus.

Am Abend des fünften Tages erfolgte die erstmalige Vorstellung in meiner Praxis.