Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin 2018; 28(02): 114-119
DOI: 10.1055/s-0043-124373
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Der Einfluss des Body Mass Index auf die Mobilisation von Patienten in der Frührehabilitation

The Effect of Body Mass Index on Mobilisation in Acute Medical Rehabilitation
Max Emanuel Liebl
1  Physikalische Medizin und Rehabilitation, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Christine Schwedtke
1  Physikalische Medizin und Rehabilitation, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Isabelle Schröder
1  Physikalische Medizin und Rehabilitation, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Nancy Elmer
1  Physikalische Medizin und Rehabilitation, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Anett Reißhauer
1  Physikalische Medizin und Rehabilitation, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

received 01 September 2017

accepted 04 December 2017

Publication Date:
15 February 2018 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Die Mobilisierung stellt in der Frührehabilitation adipöser Patienten eine zentrale Aufgabe und gleichzeitig eine besondere Herausforderung dar. Insbesondere bei höhergradiger Adipositas ist ein erhöhter Personal- und Materialaufwand notwendig. In der vorliegenden Arbeit soll der Zusammenhang zwischen Body Mass Index und der Entwicklung der mobilitätsbezogenen Funktionsfähigkeit untersucht werden.

Material und Methoden Diese retrospektive Kohortenstudie wurde an einer Stichprobe von n=129 initial immobilen Patienten in der fachübergreifenden Frührehabilitation (FR) an einer Universitätsklinik durchgeführt. Hauptzielkriterium war der Mobilisierungsfortschritt der Patienten. Die Mobilität wurde mittels Charité Mobilitäts-Index erfasst (CHARMI®, eine Mobilitäts-Rangskala von 0 bis 10 Punkten). Die Mobilisierungsfortschritte (CHARMI®-Werte pro Behandlungstag) wurden nach BMI-Gruppen verglichen.

Ergebnisse Die Gruppen der Normalgewichtigen (0,13 CHARMI-Punkte/Tag) und der Untergewichtigen (0,13) zeigten eine schnellere Mobilisierung als die Gruppen der Übergewichtigen (0,11) und der Adipösen (0,09). Adipöse Patienten erreichen am Ende der Frührehabilitation zwar annähernd das gleiche Mobilisationsniveau wie Patienten ohne Übergewicht, benötigen hierfür jedoch im Median 9 Tage länger (29 statt 20) als Normalgewichtige.

Diskussion Die Verteilung der Werte zeigt eine lineare Assoziation zwischen einem erhöhten BMI und geringeren Mobilisierungsfortschritten. Diese beschriebene Assoziation besteht trotz maximaler Therapiedichte und Mehraufwand für stark adipöse Patienten in der durchgeführten Frührehabilitation. Klinisch lässt sich daraus folgern, dass durch eine Maximalversorgung auch bei schwer adipösen Patienten eine Mobilisierung erzielt werden kann, die annähernd der von normalgewichtigen Patienten entspricht. Dieser Zustand kann jedoch nur mit einem deutlichen Mehraufwand an Personal, Material und Zeit erreicht werden.

Abstract

Purpose To investigate the association between body mass index (BMI) and the functional progress of patients admitted to an acute rehabilitation ward of a university hospital.

Materials and Methods A retrospective cohort study was performed among a sample of n=129 initially immobile patients. Main outcome was the mobilisation progress. Mobility was measured with Charité Mobility Index (CHARMI, a mobility rank scale with 0 to 10 points). CHARMI efficiencies (changes per day) were compared by BMI group.

Results The normal weight (0.13) and underweight group (0.13) showed a higher mobilisation efficiency than the overweight (0.11) and obese (0.09) group. Length of stay is longer in the obese group, but a comparable mobility level can be reached, compared to the normal weight group.

Discussion The distribution of values shows a linearity in the association between higher BMI and lower functional progress in mobilisation. Obese patients can reach the same mobility levels at acute medical rehabilitation dismissal, but they need longer to re-mobilise. This effect occurs despite of maximal mobilisation efforts in the acute medical rehabilitation. The limitations in mobilisation may be even aggravated in clinical settings with fewer resources.