Klin Neurophysiol 2018; 49(02): 69
DOI: 10.1055/s-0043-124771
Studienreferat
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Bieten Elektroenzephalogramme eine Orientierung für das Ausschleichen antikonvulsiver Medikamente: eine Meta-Analyse

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Publication Date:
12 June 2018 (online)

Epilepsie ist eine häufige, chronische neurologische Erkrankung, die mit antikonvulsiver Medikation (AED) gut zu kontrollieren ist. 60–70% der Patienten werden anfallsfrei, jedoch ist unbekannt, wann ein guter Zeitpunkt für ein Ausschleichversuch ist. Einige Studien zeigen, dass Patienten mit abnormalem Enzephalogramm (EEG) eine hohe Rate an Rezidivanfällen haben, während andere Studien keinen Zusammenhang sehen. Daher haben Tang und Xiao eine Meta-Analyse durchgeführt, um Risikofaktoren zu identifizieren.

Über eine Datenbanksuche via PubMed und EMBASE wurden insgesamt 15 Studien zwischen 1981 und 2015 mit 2349 Patienten in die Meta-Analyse eingeschlossen. In den meisten Studien waren die Teilnehmer 2 Jahre anfallsfrei, in 2 Studien ein Jahr und 2 Studien machten keine Angaben dazu. Die EEGs wurden in normal oder abnormal unterteilt, wobei abnormal noch in paroxysmal (Spike, Spike-and-wave, Verlangsamung) und nicht paroxysmal (kontinuierliche oder intermittierende Theta- oder Delta-Aktivität) unterteilt wurde. Das gepoolte Relative Risiko (RR) für ein Rezidivanfall bei abnormalem EEG liegt bei 1,31 mit einem p=0,0003. Bei paroxymaler Aktivität liegt es bei 2,23 (p<0,00001), bei nicht nicht paroxysmaler Aktivität bei 1,22 (p=0,19).

Bei Spikes und fokaler Aktivität liegt das RR bei 1,32 (p=0,12), bei Verlangsamungen bei 1,71 (p=0,02) und bei Spike-and-wave-Komplexen bei 1,56 (p=0,006).

Fazit

Zusammengefasst zeigt sich also, dass ein signifikantes Risiko für rezidivierende Anfälle besteht, wenn im EEG vor dem Ausschleichen der AED paroxysmale oder nicht paroxysmale Verlangsamungen oder Spike-and-wave-Komplexe sichtbar sind. Sind einzelne Spikes oder fokale Aktivität vorhanden, besteht kein erhöhtes Risiko für rezidivierende Anfälle.

Dr. med. Thomas Fortmann, Münster