Zeitschrift für Phytotherapie 2023; 44(S 01): S12
DOI: 10.1055/s-0043-1769528
Abstracts

Phytotherapie in der onkologischen Schmerztherapie

Authors

  • H Matthes

    1   Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, Berlin, Deutschland
    2   Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, CCM, Charité-Universitätsmedizin, Berlin, Deutschland
 

Die Schmerztherapie hat eine Schlüsselrolle in der Behandlung onkologischer Erkrankungen. Dabei kann zwischen krankheitsbedingten Schmerzen und den symptomatischen Auswirkungen des Tumors auf Organstrukturen von den sog. therapiebedingten Schmerzen durch teilweise aggressive Radio-Chemotherapien unterschieden werden.

Das zentrale Phytotherapeutikum mit den meisten onkologischen Verordnungen in Deutschland stellen die Mistelgesamtextrakte (MGE) dar. Diese haben selbst antitumoröse Effekte. In Bezug auf eine Schmerztherapie kommt ihnen aber eine überragende Rolle als Adjuvans einer Radio/Chemotherapie zu. Durch Steigerung der Geschwister-Chromatidaustauschrate können sie in gesunden Zellen die Regeneration stark steigern und damit den chemotherapeutisch induzierten zytotoxischen Effekt auf gesunde, nicht aber auf die Krebszellen, abschwächen. Der Effekt einer LQ-Steigerung der MGE ist gesichert.

Ingwer kann zusätzlich zu einer leitliniengerechten Antiemese in der Therapie von zytostatikainduzierter Übelkeit und Erbrechen eingesetzt werden. Leinsamen (Linum usitatissimum) können ebenso begleitend zur Milderung einer Obstipation und moderater Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt werden. Ginseng hat sich zur Verbesserung einer Fatigue bei onkologischen Patienten als wirksam erwiesen. Der Weihrauch (Boswellia serrata) mit seiner entzündungshemmenden Wirkung durch die Leukotrienhemmung kann unterstützend bei Hirnödem, Kopfschmerz aber auch bei Schmerzen des muskuloskelettalen Systems eingesetzt werden. Ähnliche antientzündliche Effekte haben salizylathaltige Weidenrindenpräparate und auch die afrikanische Teufelskralle (Harpagophytum procumbens). Auch der Milchsaft des Melonenbaumes und der Ananas weisen mit Papain und Bromelain einen antiphlogistischen Effekt auf. Johanniskrautöl kann extern angewendet bei neuralgiformen und muskuloskelettalen sowie Narbenschmerzen hilfreich eingesetzt werden. Das Capsaicin aus dem Cayennepfeffer wirkt durch Desensibilisierung des Vanilloidrezeptors stark schmerzlindernd.



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Article published online:
14 June 2023

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