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DOI: 10.1055/s-0043-1769539
Phytotherapie in den Leitlinien für Gastroenterologie
Authors
Phytotherapeutika gewinnen zunehmend an Einfluss bei der Behandlung von gastroenterologischen Erkrankungen und werden immer häufiger in medizinische Leitlinien aufgenommen. Ein systematisches Screening der phytotherapeutischen Empfehlungen in nationalen Leitlinien (AWMF) ergab entsprechend der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage u.a. folgende Empfehlungen:
Bei chronischer Obstipation werden 30 g Ballaststoffe/Tag empfohlen, mit der besten Datenlage zu Flohsamen (Plantago ovata) mit moderater Evidenz. Auch für Chicorée-Inulin wurde die Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen. Die Anwendung der Pflanzenmixtur STW-5 und STW-5-II, Iberis amara und die Kampo-Medizin „kann derzeit nicht empfohlen“ werden (aufgrund eingeschränkter Datenlage). Eine „offene Empfehlung“ wird für bestimmte Kräuterrezepturen der Traditionellen Chinesischen Medizin ausgesprochen. Bei Colitis ulcerosa wird bei schwacher Evidenz eine „offene Empfehlung“ sowohl für Flohsamen, die Kombination von Myrrhe, Kamillenblütenextrakt und Kaffeekohle als auch für Curcumin komplementär in der Remissionserhaltung ausgesprochen. „Stark empfohlen“ wird beim Reizdarmsyndrom Pfefferminzöl. Weitere symptomlindernde Phytotherapeutika wie beispielsweise STW-5, tibetanisches Padma Lax oder warme Kümmelölauflagen sollten ins Behandlungskonzept integriert werden. Einige phytotherapeutische Behandlungen (z.B. Wermut) zeigen Wirksamkeitshinweise zur Behandlung von Morbus Crohn, jedoch ist die Datenlage noch nicht ausreichend für Empfehlungen. Die Daten sprechen klar gegen den Einsatz von medizinischem Cannabis als Therapie von akuten Entzündungen.
Einige klare Empfehlungen für den Einsatz von Phytotherapeutika zur Behandlung gastroenterologischer Erkrankungen zeigen das Wirkpotential. Phytotherapeutika können aufgrund ihres großen Wirkspektrums bei komplexen Regulationsstörungen sehr gut komplementär zu herkömmlichen Medikamenten eingesetzt werden. Jedoch sind weitere methodisch gut durchgeführte Wirksamkeitsstudien nötig, um noch mehr Empfehlungen aussprechen zu können.
Danksagung Wir danken dem gesamten Forschungsteam der Abteilung für Integrative Medizin und Naturheilkunde, besonders Jolien Beyer und Tobias Rakoczky für ihre Unterstützung. Das Forschungsprojekt Naturheilkunde und Komplementärmedizin im Leitlinienprozess wurde gefördert durch die Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung.
Publication History
Article published online:
14 June 2023
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Georg Thieme Verlag
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