Zeitschrift für Phytotherapie 2023; 44(S 01): S26
DOI: 10.1055/s-0043-1769552
Abstracts

N-Glykane des Tamm-Horsfall Proteins: Geschlechtsabhängig und durch Equisetum-arvense-Extrakt modulierbar? Eine massenspektrometrische Untersuchung

Authors

  • B Mo

    1   Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie, Universität Münster, Deutschland
  • C Gutheil

    2   Organisch Chemisches Institut, Universität Münster, Deutschland
  • M Letzel

    2   Organisch Chemisches Institut, Universität Münster, Deutschland
  • A Hensel

    1   Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie, Universität Münster, Deutschland
 

Tamm-Horsfall Protein (syn. Uromodulin, THP) ist ein hoch mannosyliertes Glykoprotein, welches in der Niere im dicken aufsteigenden Ast der Henle Schleife gebildet wird. THP bindet an das Mannose-sensitive Adhäsin FimH uropathogener E. coli (UPEC) und verhindert so die FimH-abhängige Adhäsion der Bakterien an Wirtszellen. Demnach ist THP Bestandteil der angeborenen Immunabwehr [1].

Es konnte in einer vorausgegangenen Studie gezeigt werden, dass die THP-Exkretion in der Niere geschlechtsabhängig ist [2]. Dabei zeigten Frauen eine signifikant höhere THP-Ausscheidung als Männer, wobei Frauen, die regelmäßig hormonelle Kontrazeptiva einnahmen, eine leicht verminderte THP-Ausscheidung zeigten [2]. Darüber hinaus wurde eine Induktion von THP in vivo nach oraler Gabe von Cranberry-Extrakt [3] bzw. Schachtelhalm-Extrakt [4] in zwei kürzlich publizierten Probandenstudien beobachtet. Im Rahmen der Untersuchungen zur THP-Stimulation durch Schachtelhalm-Extrakt stellte sich die Frage, inwieweit Equisetum-stimuliertes THP ein verändertes Glycosylierungsmuster aufweist als THP aus der unbehandelten Kontrollgruppe. Hierzu wurde Vergleich-THP aus dem Urin von jeweils 10 unbehandelten Frauen und Männern (n = 20) isoliert. Nach Behandlung von THP mit PNGaseF wurden die N-Glykane des THPs massenspektrometrisch identifiziert. In einer weiteren Analyse wurden die Glykane vor und nach oraler Behandlung mit Schachtelhalmextrakt untersucht (n = 8).

Anhand der massenspektrometrischen Analyse ergaben sich dabei geschlechtsabhängige Unterschiede: Frauen zeigten tendenziell einen erhöhten Anteil an Mannose-type-Glykanen sowie nicht-fucosylierte Glykane. Männer zeigten hingegen einen erhöhten Anteil an fucosylierten Glykanen. Nach p.o. Einnahme von Schachtelhalmkraut-Extrakt konnte nur in der Subgruppenanalyse der Männer eine signifikante Verringerung der fukosehaltigen N-Glykane und eine signifikante Reduktion sulfathaltiger N-Glykane beobachtet werden.



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Article published online:
14 June 2023

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