Zeitschrift für Phytotherapie 2023; 44(S 01): S38-S39
DOI: 10.1055/s-0043-1769574
Abstracts
6. Young Researcher Workshop
Datum/Ort14.–15. Juni 2023, Klinikum Bamberg

Pharmakologische Untersuchungen von Acylphloroglucinolen aus Hypericum tetrapterum

Authors

  • J Brunner

    1   Universität Regensburg, Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie, Regensburg, Deutschland
  • G Brunner

    1   Universität Regensburg, Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie, Regensburg, Deutschland
  • A Smelcerovic

    2   Universität Niš, Lehrstuhl für Chemie, Niš, Serbien
  • J Heilmann

    1   Universität Regensburg, Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie, Regensburg, Deutschland
 

Bei Hypericum tetrapterum Fr. (Hypericaceae) handelt es sich um eine mehrjährige, krautige Hypericum-Art mit einem vierflügeligen, hohlen Stängel. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Europa, Westasien und Nordafrika [1]. Die Sekundärstoffführung und die pharmakologische Aktivität der Inhaltsstoffe von H. tetrapterum Fr., insbesondere die der prenylierten Acylphloroglucinole, ist bisher weitgehend unbekannt. Dagegen ist die phytomedizinisch prominenteste Art der Hypericaceae, Hypericum perforatum L., nicht nur phytochemisch gut untersucht, sondern auch für die antidepressiven, antiviralen, antibakteriellen und antitumoralen Effekte seiner Extrakte bekannt [2].

Für die Isolierung und anschließende pharmakologische In-vitro-Testung von Acylphloroglucinolen wurde ein Petrolether-Extrakt aus den getrockneten, oberirdischen Pflanzenteilen von H. tetrapterum Fr. hergestellt. Nach 1H-NMR geleiteter Fraktionierung wurden die Strukturen mittels 1H-, 13C- und 2D-NMR-Spektroskopie sowie mit Daten aus der Massenspektroskopie aufgeklärt ([Abb. 1]).

Sowohl der PE-Extrakt, die durch Flash-Chromatographie erhaltenen Fraktionen PE-F1 und PE-F2, als auch die erstmals beschriebene Substanz 1 wurden zur Ermittlung ihrer zytotoxischen Aktivität mit Hilfe eines MTT-Assays an verschiedenen Zelllinien getestet [3]. Für den PE-Extrakt konnte eine zytotoxische Wirkung auf HELA-Zellen mit einem IC50-Wert von 19,1 µg/ml und für die weiteren Fraktionen PE-F1 und PE-F2 IC50-Werte von 4,3 µg/ml bzw. 6,4 µg/ml ermittelt werden. Substanz 1 zeigte eine selektive, zytotoxische Wirkung mit einer IC50 von 35,3 µM auf HELA-Zellen, jedoch keine Aktivität gegenüber den ebenfalls untersuchten Zelllinien MCF-7, SK-MEL-28, HepG-2 und PC-3.

Substanz 1 und das ebenfalls aus H. tetrapterum Fr. isolierte, und bereits aus anderen Hypericum-Arten bekannte, monocyclische Acylphloroglucinol Olympicin A wurden in einem Proliferationsassay mit humanen mikrovaskulären Endothelzellen (HMEC-1) auf ihre antiangiogenetische Aktivität getestet [4]. Für Substanz 1 konnte ein IC50-Wert von 60,6 µM ermittelt werden. Olympicin A erzielte bei 25 µM eine Proliferationshemmung auf 70% bezogen auf die Kontrolle. Für die Referenzsubstanz Hyperforin wurde eine IC50 von 2,1 µM bestimmt. Die Zellviabilität wurde zuvor mittels MTT-Assay überprüft.

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Abb. 1  Substanz 1.

Des Weiteren wurden der PE-Extrakt, die Fraktionen PE-F1 und PE-F2, Substanz 1 und weitere mono- und bicyclische prenylierte Acylphloroglucinole aus H. tetrapterum Fr. auf ihre antibakterielle Wirkung untersucht und zeigten strukturabhängig stark abweichende minimale Hemmkonzentrationen gegen Staphylococcus aureus im Bereich von 16 µg/ml und 256 µg/ml [5].



Publication History

Article published online:
14 June 2023

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