Aktuel Urol 2018; 49(02): 127-130
DOI: 10.1055/s-0044-100053
Tipps und Tricks
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Hydrodistension der Harnblase zur Diagnostik und Therapie

B. T. Kaftan
1  Städtisches Klinikum Lüneburg, Lüneburg
,
A. Wiedemann
2  Evangelisches Krankenhaus gGmbH, Witten
3  Lehrstuhl für Geriatrie, Universität Witten/Herdecke
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Publication Date:
27 March 2018 (online)

Einleitung

Die Zystoskopie mit Hydrodistension als diagnostisches und therapeutisches Verfahren bei der Interstitiellen Zystitis bzw. beim Blasenschmerzsyndrom ist ein nicht standardisiertes aber etabliertes Vorgehen. Die Einteilung der Interstitiellen Zystitis nach den Kriterien der ESSIC erfordert für die Klassifikationen 1 bis 3 die Durchführung einer Zystoskopie mit Hydrodistension [1]. Die EAU führt die Klassifikation der ESSIC in ihren Leitlinien zum Chronic Pelvic Pain ebenfalls auf [2]. Wie also ist diese Prozedur durchzuführen?

Das Verfahren ist seit Jahren etabliert aber nicht standardisiert. Bei Fragebogenerhebungen in Großbritannien unter Urologen, Gynäkologen und Urogynäkologen wurde eine breite Variabilität bei der Durchführung der Prozedur aufgedeckt [3] [4]. So wird die Hydrodistension der Blase mit und ohne Urethrozystoskopie beschrieben, unter Allgemein- und Regionalanästhesie, ein bis mehrfache Kurzinstillation von wenigen Minuten und Langzeitinstillation bis zu Stunden. Auch der verwendete Druck variiert von 10 – 100 cm H2O. Die von der NIDDK vorgeschlagene Technik sieht eine Distension unter einem Druck von 80 – 100 cm H2O für ein bis 2 Minuten vor mit einer Wiederholung [5]. Das japanische Interstitial Cystitis Guideline Committee beschreibt die Technik der Hydrodistension wie folgt: Unter Spinalanästhesie Füllung der Blase bis 80 cm H2O Druck unter ständiger zystoskopischer Kontrolle bis max 800 – 1000 ml und Ablassen der Füllung unter optischer Kontrolle [6]. Die AUA Guidelines empfehlen eine Niedrigdruckdistension, die 3-malig in dem Eingriff sequenziell wiederholt wird [7]. Eine Hochdruckdistension von mehr als 10 Minuten mit über 80 cm H2O und mehr wird explizit nicht empfohlen [7]. Bei Vorhandensein von Hunnerschen Ulcera sollten diese fulguriert werden (Elektrokauterisation oder Laserkoagulation), da der Eingriff unter Anästhesie erfolgt, ist dieses technisch leicht anzuschließen, muss aber in der Aufklärung und Einwilligung inkludiert sein. Bei suspekten Rötungen sollte ein Cis durch eine PE ausgeschlossen werden.

Die speziellen Risiken einer Hydrodistension sind eine Blasenruptur und eine ausgeprägte Makrohämaturie, welche zur Blasentamponade führen kann ([Abb. 1]).

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Abb. 1 ESSIC Klassifikationt [1].