Akt Dermatol 2018; 44(06): 277-291
DOI: 10.1055/s-0044-102179
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Topisches Anti-Aging – Evidenz und Wirkprinzip

C. Bayerl

Subject Editor: Wissenschaftlich verantwortlich gemäß Zertifizierungsbestimmungen für diesen Beitrag ist Prof. Dr. med. Christiane Bayerl, Wiesbaden.
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Publication Date:
08 June 2018 (online)

Optimierung der Hautstruktur, Gesunderhaltung der reifen Haut, Verzögerung von Altersprozessen – die ästhetische Dermatologie hat die Verbesserung des Erscheinungsbildes der Haut zum Ziel. Die Angebote an topischen Maßnahmen zur Reduktion vorzeitiger Hautalterung, für ein ebenmäßiges Pigmentbild und zur Faltenreduktion sind vielfältig. Daher sind Kenntnisse über Wirkprinzipien und Evidenz notwendig, um die Patienten vernünftig beraten zu können.

Abstract

Anti-Aging in dermatology is focused first on the prevention of skin aging with UV-protection (textiles, sunscreen), free radical scavengers, cell protecting substances such as vitamin B3 and removal of pollutants from the skin surface. For the correction of signs of early aging vitamin-A-acid derivatives in dermatological prescriptions and cosmetic ingredients such as retinol/retinaldehyde and vitamin C are the substances best studied. Topical hormonal prescriptions are additive options, but only if UV-damage has not been the leading culprit for skin aging. Vehicle controlled studies have evaluated new ingredients in cosmetics, that due to controlled trials, reduce superficial skin folds such as salicyloylphytophingosin, some peptides and low molecular weight hyaluronic acid. Modulators of a regular pigmentation are important for anti-aging preparations as an irregular spotty pigmentation characterises older age. Botanicals and growth factors are not thoroughly studied regarding the benefit, cost and risk ratio.

Kernaussagen
  • Anti-Aging in der Dermatologie umfasst an 1. Stelle die Prävention und an 2. Stelle die Korrektur und Verlangsamung von Alterserscheinungen der Haut.

  • Mithilfe fotografischer Atlanten konnte gezeigt werden, dass das Pigmentbild der Haut ein bedeutendes Merkmal der Alterseinschätzung ist.

  • Für die Prävention stehen zur Verfügung: Lichtschutz, Radikalfänger, Vitamin B3 als zytoprotektive Substanz und Hautreinigung am Abend.

  • Wirkstoffe in Kosmetika unterliegen klinischen Studien, die unterschiedlichen Evidenzgraden entsprechen. Die höchste Aussagekraft erreichen Studien – und damit die darin überprüften Wirkstoffe –, bei denen eine kontrollierte, gegen Grundlage randomisierte Studie an Probanden durchgeführt wurde.

  • Einige der kosmetischen Wirkstoffe schaffen diese hohe Hürde, z. B. Retinol/Retinaldehyd, L-Ascorbinsäure, bestimmte Peptide, Salicyloyl-Phytoshingosin, niedermolukulare Hyaluronsäure und Niacinamid (Vitamin B3).

  • Vitamin-A-Säure-Derivate (Tretinoin) und topische Hormonzubereitungen in den ersten Jahren nach den Wechseljahren sind rezeptpflichtig und aufgrund ihrer Effektivität führend im topischen Anti-Aging.

  • Bei Botanicals und Wachstumsfaktoren (pflanzlich, rekombinant) ist die Nutzen-, Aufwand/Kosten- und Risikobewertung nicht abgeschlossen.

  • Pigmentregulierende Agenzien gehören in das Therapiearsenal gegen vorzeitige Hautalterung, denn Hyperpigmentierung ist die neue Falte!