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DOI: 10.1055/s-0045-1811674
Fallbericht: Erfolgreiche kardiopulmonale Reanimation eines Rindes mit Herzstillstand
Authors
Die Durchführung einer Allgemeinanästhesie bei Rindern erfordert aufgrund ihrer spezifischen anatomischen und physiologischen Merkmale und der rechtlichen Bestimmungen für lebensmittelliefernde Tiere besondere Vorgehensweisen. Detaillierte Informationen zur Inzidenz von Kreislaufstillständen bei dieser Tierart sind in der wissenschaftlichen Literatur rar.
Dieser Fallbericht dokumentiert die kardiopulmonale Reanimation einer allgemeingesunden, 2 Jahre alten Jerseykuh mit einem Gewicht von 307 kg, die zur chirurgischen Versorgung einer rechtsseitigen Unterkieferfraktur in der Pferdeklinik der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover vorgestellt wurde.
Nach der Prämedikation mit Xylazin (0,1 mg/kg i.m., 0,03 mg/kg i.v.) und Butorphanol (0,05 mg/kg i.v.) wurde die Anästhesie mittels Ketamin (3 mg/kg i.v.) eingeleitet. Die Narkose wurde als partielle intravenöse Anästhesie durch eine Ketamin-Dauertropfinfusion (0,5 mg/kg/h) und Isofluran in 100% Sauerstoff erhalten und durch die Regionalanästhesie des Nervus mandibularis ergänzt. Als Narkoseüberwachung diente ein Standartmonitoring inklusive invasiver Blutdruckmessung.
Kurz nach Beginn der Operation erlitt die Kuh eine progressive Hypotension und 3 Kreislaufstillstände durch Asystolien. Diese konnten erfolgreich durch Wiederbelebungsmaßnahmen, angelehnt an die RECOVER-Leitlinien [1], therapiert werden. Nach jeweils 2 Reanimationszyklen kehrte die Kuh zur spontanen Zirkulation (Pulswelle, Sinusrhythmus, deutlicher EtCO2-Anstieg) zurück. Auf die letzte Reanimation folgte eine Phase ventrikulärer Tachykardie, die mit Lidocain (2 mg/kg/10 min) kardiovertiert wurde. Die Gesamtdauer der Reanimation betrug 13 Minuten.
Der Auslöser der Asystolien könnte möglicherweise eine transiente, ausgeprägte Hyperkaliämie (8,1 mmol/l) gewesen sein. Da die Ergebnisse der initialen Elektrolytmessung jedoch erst verfügbar waren, als bereits eine Rückkehr zum Spontankreislauf erreicht worden war und die Kuh aus der Anästhesie erwachte, konnte keine spezifische Therapie eingeleitet werden.
Nach einer komplikationslosen Aufwachphase lag der Blutkaliumspiegel nahe am Referenzbereich (5,0 mmol/l) und die Kuh wurde in die stationäre Betreuung der Rinderklinik übergeben.
Dieser Fall unterstreicht die Notwendigkeit einer sorgfältigen Narkoseüberwachung, einschließlich der Kontrolle potenzieller Elektrolytverschiebungen, auch bei Nutztieren. Zudem zeigt er die Möglichkeit einer erfolgreichen Reanimation bei einem Großtier auf.
Publication History
Article published online:
15 October 2025
© 2025. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
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Literatur
- 1 Burkitt-Creedon J.M.. et al. 2024 RECOVER Guidelines: Updated treatment recommendations for CPR in dogs and cats. Journal of Veterinary Emergency and Critical Care 2024; 34 p 104-123
