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DOI: 10.1055/s-0045-1812368
Mehr als nur Gehen – Robotik-assistiertes Gangtraining in der neurologischen Langzeitbetreuung
Authors
Einleitung Das Robotik-assistierte Gangtraining (RAGT) ist ein fester Bestandteil der Schlaganfallrehabilitation, wird jedoch auch bei anderen neurologischen Erkrankungen häufig durchgeführt. Während der Einsatz im stationären Setting als etabliert gilt, stellt die Integration im ambulanten Bereich eine deutlich grössere Herausforderung dar – sowohl in Bezug auf die therapeutische Umsetzung als auch hinsichtlich organisatorischer und struktureller Rahmenbedingungen. Die Hürden reichen von eingeschränkten Zeitressourcen über fehlende Finanzierungsmodelle bis hin zu begrenzter Verfügbarkeit spezialisierter Therapietechnologien. Ziel der vorliegenden Arbeit ist die praxisnahe Darstellung eines strukturierten RAGT in der ambulanten Langzeitbetreuung anhand von zwei Fallbeispielen: einem Patienten mit inkomplettem Querschnittssyndrom und zwei Patientinnen mit Multipler Sklerose. Die Auswahl zeigt mögliche Einsatzgebiete und soll zur Diskussion über die Rolle technologiegestützter Therapien im langfristigen Rehabilitationsverlauf anregen.
Material und Methodik Vorgestellt wird das RAGT der genannten Patientinnen am Lokomat. Die Betroffenen starteten mit unterschiedlichen funktionellen Ausgangsniveaus und zeigen verschiedene Krankheitsverläufe. Das Training absolvierten sie regelmäßig ein- bis zweimal pro Woche, jeweils 15 bis 45 Minuten pro Einheit über mehrere Monate bis hin zu mehreren Jahren. Die Behandlungsplanung erfolgte individuell, orientierte sich an alltagsrelevanten Zielsetzungen und wurde regelmäßig evaluiert und angepasst.
Ergebnisse Im Fokus stehen dabei nicht nur die technischen Parameter des Geräts (Gehzeit, Gehgeschwindigkeit, Gewichtsentlastung, Führungskraft), sondern auch die therapeutische Herangehensweise sowie die strukturellen Rahmenbedingungen (z. B. Zeitfenster, Finanzierung). Die Fallbeispiele zeigen vor allem die Notwendigkeit und den Einfluss des RAGT auf die Lebensqualität sowie die Rolle eines motivierenden Trainingssettings zur langfristigen Therapieadhärenz.
Zusammenfassung Diese praxisnahen Fallbeispiele sollen Kolleginnen und Kollegen Anregungen geben, wie das RAGT auch außerhalb des stationären Rahmens wirksam eingesetzt werden kann. Eine strukturierte ambulante Integration ermöglicht eine kontinuierliche Bewegungsförderung, reduziert funktionellen Abbau und trägt zur Aufrechterhaltung der Selbständigkeit im Alltag bei. Weitere systematische Evaluationen sind anzustreben, um die gesammelten Erfahrungen wissenschaftlich abzusichern, Versorgungsmodelle zu entwickeln und für eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen zu argumentieren.
Publication History
Article published online:
23 October 2025
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