Subscribe to RSS
DOI: 10.1055/s-0045-1812387
Advanced Practice Physiotherapy in der spezialisierten Schulterklinik: Eine qualitative Evaluation
Authors
Einleitung An der spezialisierten Schulterklinik eines Schweizer Universitätsspitals wurde ein innovatives Versorgungsmodell implementiert, in welchem Advanced Practice Physiotherapy (APP) eine zentrale Rolle einnimmt. Im Rahmen dieses Modells sind APPs fest in das postoperative Nachkontrollsystem integriert und übernehmen routinemässig die 3- und 6-Wochen-Kontrollen aller operierten Schulter- und Ellbogenpatient*innen. Neben dem Erfassen der Schmerzsituation und der aktuellen Beweglichkeit führen sie eigenständig Tätigkeiten wie Fädenziehen, das Ausfüllen von Physiotherapieverordnungen und Arbeitsunfähigkeitszeugnissen sowie die Beurteilung und Anpassung des Rehabilitationsschemas durch. Zudem beurteilen sie Röntgenbilder mit und verfassen die Nachkontrollberichte. Ziel ist es, durch eine strukturierte und kontinuierliche Betreuung die Versorgungsqualität zu steigern und die interprofessionelle Zusammenarbeit zu fördern.
Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, die Qualität und Wirkung des APP-Modells aus Sicht der beteiligten Patient*innen, Physiotherapeut*innen und Mediziner*innen umfassend zu evaluieren. Besonderes Augenmerk lag auf der Wahrnehmung der Betreuungsqualität, der interdisziplinären Zusammenarbeit sowie auf möglichen Herausforderungen und Optimierungspotenzialen.
Material und Methodik Im Rahmen eines qualitativen Studiendesigns wurden 17 strukturierte Beobachtungen des klinischen Alltags durchgeführt. Ergänzend fanden halbstrukturierte Interviews mit 10 Patient*innen, 5 Physiotherapeut*innen und 3 Mediziner*innen statt. Die Datenerhebung erfolgte durch eine neutrale, wissenschaftlich tätige medizinische Fachperson eines unabhängigen Instituts, um eine möglichst objektive Erfassung der Erfahrungen und Einschätzungen zu gewährleisten.
Ergebnisse Die Ergebnisse zeigen, dass APPs neben hoher fachlicher Expertise auch ausgeprägte Kommunikations-, Sozial- und Führungskompetenzen benötigen, um die komplexen Anforderungen der erweiterten Rolle zu erfüllen. Besonders hervorgehoben wurden der strukturierte Behandlungsprozess, die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie die hohe Motivation und Professionalität im Team. Patient*innen schätzten die kontinuierliche, kompetente Betreuung, fühlten sich sicher und gut aufgehoben und betonten die verständliche Kommunikation sowie das persönliche Engagement der APPs. Herausforderungen ergaben sich in der klaren Abgrenzung der Rollen zwischen APPs und Ärzt*innen, der hohen Arbeitsbelastung und den begrenzten personellen Ressourcen.
Zusammenfassung Die Studie verdeutlicht den Mehrwert des APP-Modells für die patientenzentrierte Versorgung in der Schultersprechstunde. Die erweiterte Rolle der Physiotherapeut*innen trägt nachweislich zur Steigerung der Patientenzufriedenheit, Effizienz und Versorgungsqualität bei. Die Ergebnisse unterstreichen, dass Spezialisierung und interprofessionelle Zusammenarbeit zentrale Erfolgsfaktoren sind, um den wachsenden Anforderungen im Gesundheitswesen zu begegnen und die Versorgung nachhaltig weiterzuentwickeln.
Publication History
Article published online:
23 October 2025
© 2025. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany