Subscribe to RSS
DOI: 10.1055/s-0045-1812397
Wirksamkeit nicht-medikamentöser Therapien bei systemischer Sklerose: Eine Längsschnittstudie
Authors
Einleitung Die systemische Sklerose (SSc) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung mit Multiorganbeteiligung. In der Schweiz liegt die Prävalenz bei rund 1400 Patient*innen, wobei Frauen vier- bis fünfmal häufiger betroffen sind als Männer. SSc führt zu erheblichen Funktionseinschränkungen, etwa der Lungen- und Handfunktion, Muskelkraft und Belastbarkeit, begleitet von Symptomen wie Gelenkschmerzen, Kurzatmigkeit und Fatigue.
Zur fundierten Analyse des Therapieverlaufs fehlen bislang systematisch erhobene Langzeitdaten. Ziel ist daher der Aufbau einer Forschungsdatenbank, die den Gesundheitszustand sowie durchgeführte stationäre und ambulante nicht-pharmakologische Interventionen, z. B. physikalische, therapeutische (Hyperthermie, Lymphdrainage, Bindegewebsmassage, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) standardisiert dokumentiert. Ergänzend werden Funktionstests integriert, um die Rehabilitationseffekte objektiv zu bewerten.
Material und Methodik Patient*innen mit SSc werden bei Eintritt und Austritt evaluiert. Dabei werden Ausdauer (6-Minuten-Gehtest (6MGT)), Anstrengungsgrad (Borg-Skala (BS)), Handfunktion (Nine-Hole-Peg-Test (NHPT) und Coin-Rotation-Test (CRT)), Handkraft (Dynamometer) gemessen und das medizinische und psychische Gesundheitsbefinden mittels Patientenfragebögen (Scleroderma Health Assessment Questionnaire (SHAQ) und Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS)) erfasst. Zusätzlich wird eine 3D-Ganzkörper-Bewegungsanalyse im Ganglabor durchgeführt. Wichtig sind neben den Ein- und Austrittsmessungen die geplanten Follow-up-Messungen nach 6, 12 und 24 Monaten mit reduzierter Diagnostik, um den Verlauf über einen längeren Zeitraum nachverfolgen zu können.
Ergebnisse Bis jetzt konnten 22 Patient*innen (Durchschnittsalter 60.2 ± 17.1 Jahre, 82% Frauen) eingeschlossen werden. Nach ihrer 4-wöchigen stationären Therapie wurden folgende Veränderungen gemessen: signifikante Erhöhung der Gehstrecke (6MGT+45 Meter, p = 0.02), nicht signifikante Anstrengungsreduktion (BS von 3.3 auf 2.7 Punkte), Handkraftsteigerung (von 18.0 kg auf 19.1 kg), Handfunktionsverbesserung (NHPT von 3.8 auf 4.0 Punkte und CRT von 22.7 sek auf 17.6 sek), und Verbesserung des psychischen Gesundheitsbefindens (SHAQ von 1.1 auf 1.0 Punkte), während sich der HADS leicht verschlechterte (von 10.5 auf 11.3 Punkte). Die 3D-Ganganalyse konnte aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes bis jetzt nur bei vier Patient*innen durchgeführt werden und zeigte Konstanz für Schrittlänge und Schritttempo (von 1.22 sek auf 1.27 sek).
Zusammenfassung Die SSc gehört zu den Rare Diseases und es gibt nur wenig Evidenz zur Behandlung und zum Verlauf der betroffenen Patient*innen. Mithilfe der Datenbank können die Effekte der non-pharmakologischen Therapien evaluiert werden. So können die therapeutischen Massnahmen hinsichtlich der höchst individuellen Krankheitsverläufe während eines Rehabilitationsaufenthaltes sehr viel gezielter ausgewählt werden.
Publication History
Article published online:
23 October 2025
© 2025. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany