physioscience 2025; 21(S 03): S30-S31
DOI: 10.1055/s-0045-1812421
Abstracts
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Inklusion von Menschen mit Behinderungen mithilfe von Technologien: Blickwinkel der Gesellschaft

Authors

  • B C Wortmann

    1   Departement Gesundheit, Berner Fachhochschule, Bern, Switzerland
    2   OMNIA Health Services AG, Oberwil, Switzerland
  • I de Boer

    1   Departement Gesundheit, Berner Fachhochschule, Bern, Switzerland
    3   Physiotherapie Department, Reha Rheinfelden, Rheinfelden, Switzerland
  • V Grand

    1   Departement Gesundheit, Berner Fachhochschule, Bern, Switzerland
  • H Baur

    1   Departement Gesundheit, Berner Fachhochschule, Bern, Switzerland
  • A M Raab

    1   Departement Gesundheit, Berner Fachhochschule, Bern, Switzerland
 

Ausgangslage Obwohl Inklusion bedeutet, dass alle mitmachen dürfen (Aktion Mensch, n.d.), fühlen sich laut Pro Infirmis (2023) vier von fünf Menschen mit Behinderungen in der Schweiz ausgeschlossen. Assistive Technologien könnten ihre Teilhabe stärken und Funktionsfähigkeit erhalten sowie unterstützen. Die WHO empfiehlt, Betroffene in die Entwicklung solcher Technologien einzubeziehen, um Sicherheit, Wirksamkeit und Erschwinglichkeit zu gewährleisten. Diese Arbeit fragt: wie erleben Menschen mit Behinderungen gesellschaftliche Teilhabe in der Schweiz und welche Rolle spielen AT dabei?

Methoden Setting war die Swiss Abilities Messe 2024 in Luzern (www.swiss-abilities.ch). Beispielhaft für mögliche Assistenztechnologien wurden an unserem Messestand ein Prototyp eines neu entwickelten Roboterarms ausgestellt. Die Messebesucher*innen konnten diese Technologie testen.

Anschliessend wurden durch drei Physiotherapeutinnen und einer Forscherin im Rollstuhl semi-strukturierte Einzelinterviews geführt – auch die Befragten konnten Fragen zur Thematik stellen. So entstand ein interaktiver Dialog zur Thematik ”Inklusion anhand von Technologien”, nachdem sie die Perspektive eines Betroffenen einnehmen konnten.

Die Daten wurden audiographiert, transkribiert und einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring und Fenzl (2019) unterzogen.

Ergebnisse Insgesamt nahmen 27 ohne und 14 Personen mit einer körperlichen Behinderung teil (4h 55min Audiomaterial). Die Analyse ergab Unterschiede in der Wahrnehmung von Inklusion zwischen den Gruppen. Die Fussgänger*innen betrachteten das Thema oft abstrakter und betonten eher Chancengleichheit und gesellschaftliche Akzeptanz. Die Betroffenen fokussierten sich hingegen auf konkrete Barrieren und die praktische Unterstützung und Umsetzung.

Acht Teilnehmer*innen hatten Schwierigkeiten, den Begriff "Inklusion" zu definieren – und dies, obwohl sie eine Fachmesse besuchten, die sich mit den Themen Gleichstellung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung befasst. Dies deutet darauf hin, dass das Thema in einigen Bereichen der Bevölkerung noch nicht vollständig verstanden wird, selbst unter Personen, die mit diesem Thema in Berührung kommen.

Zusammenfassung Die Analyse zeigten, dass Assistenztechnologien als wichtiger Faktor für Inklusion wahrgenommen werden, besonders weil sie Barrieren abbauen und die Selbstständigkeit und Teilhabe verbessern können. Dennoch erschweren hohe Kosten oder geringe Verfügbarkeit den Zugang. Eine direkte Einbindung Betroffener in Assistenztechnologien ist essenziell. Gleichzeitig wird aber deutlich, dass Technologie allein nicht ausreichend ist, um Inklusion zu ermöglichen – gesellschaftliche Sensibilisierung und frühzeitige Integration in Bildung, Arbeitswelt und Öffentlichkeit sind von zentraler Bedeutung.

Public Engagement erweist sich als gute Strategie um Inklussionsprozesse in unserer Gesellschaft zu fördern.



Publication History

Article published online:
23 October 2025

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