Z Geburtshilfe Neonatol 2000; 204(3): 93-98
DOI: 10.1055/s-2000-10203
ORIGINALARBEIT

Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Untersuchungen an einem neuen Saugglockensystem mit Kugelgelenk und Abrisswarnung - In-vitro-Studien und klinische Anwendung[]

Comparison of a new vacuum extractor with the Malmström system - in vitro experiments and clinical applicationM. Korell1 , S. King2 , H. Hepp2
  • 1 Frauenklinik im Klinikum Duisburg
  • 2 Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Klinikum Großhadern der LMU München
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
31. Dezember 2000 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Die Saugglocke wird bei etwa 5 % der Geburten eingesetzt und zeichnet sich im Vergleich zur Forzepsextraktion durch eine geringere mütterliche Morbidität aus. Dagegen sind kindliche Kephalhämatome, Hyperbilirubinämie und zerebrale Blutungen häufiger zu beobachten. Besonders gefährlich ist das plötzliche Abreißen der Vakuumglocke mit erheblichen intrakraniellen Druckschwankungen beim Kind. Um das konventionelle Malmström-System zu verbessern, haben wir eine neue Saugglocke entwickelt und die Handhabung in vitro und im klinischen Einsatz untersucht.

Methodik Das wesentliche Konstruktionsprinzip der neuen Saugglocke besteht in einem durch Kugellager erniedrigten Drehpunkt und um ⅓ reduziertem Volumen. Beim 2-Kammer-Vakuum ist zudem eine Warnung vor einem plötzlichen Abreißen möglich.

Die mögliche Traktionskraft in kp wurde in den Winkeln 0°, 15°, 30° und 45° im Vergleich für die Malmströmglocke und das neue 1- bzw. 2-Kammer-System in einer standardisierten Apparatur ermittelt.

Zusätzlich wurde die neue Vakuumglocke bei 43 Frauen auch klinisch eingesetzt, wobei neben den geburtshilflichen Parametern auch die Handhabung beurteilt wurde.

Ergebnisse Bei den In-vitro-Versuchen zeigte sich für die Malmströmglocke eine deutliche Abnahme der möglichen Traktionskraft mit zunehmenden Winkeln (0° - 15,7 kp, 15° - 12,7 kp, 30° - 8,6 kp, 45° - 7,3 kp). Die Werte für das neue 1-Kammersystem waren ab einem Traktionswinkel von 15° signifikant größer (0° - 15,6 kp, 15° - 14,4 kp, 30° - 14,0 kp, 45° - 13,8).

Die klinische Anwendung des neuen Vakuumsystems war unproblematisch und bestätigte die gute Traktionsmöglichkeit. Beim Kind zeigte sich ein deutlich geringeres kindliches Caput succedaneum. Das Warnsystem ermöglicht besonders in der Ausbildungssituation eine gute Kontrolle vor dem plötzlichen Abreißen, reduziert aber die mögliche Traktionskraft.

Schlussfolgerung Mit dem neuen Vakuumsystem scheint gegenüber der konventionellen Malmströmglocke eine Verbesserung der vaginal-operativen Entbindung möglich zu sein. Nach diesen vielversprechenden Ansätzen wurde eine Multizenterstudie begonnen, um den klinischen Stellenwert besser bestimmen zu können.

Background The vacuum extractor is used in about 5 % of deliveries. It is associated with a lower maternal morbidity than is forceps extraction. On the other hand, cephalhematomas, hyperbilirubinemia and cerebral hemorrhages in the baby are observed more frequently. The sudden detachment of the vacuum extractor with appreciable fluctuations in intracranial pressure in the baby is especially dangerous. In order to improve the conventional Malmström system, we have developed a new vacuum extractor and investigated its handling in vitro and in clinical application.

Patients and Methods The essential constructional principle of the new vacuum extractor consists in a pivot lowered by ball bearings and a volume reduction of one third. Moreover, in two-chamber vacuum it is possible to give a warning of sudden detachment. The possible tractional force in kiloponds was determined at various angles (0°, 15°, 30° und 45°) comparing the Malmström extractor with the new one and two-chamber system in a standardized apparatus. In addition, the new vacuum extractor was also used clinically in 43 women; besides the obstetric parameters, the handling was also appraised.

Results In the in-vitro experiments, a distinct decrease of the possible tractional force with increasing angles was shown for the Malmström extractor (0° - 15.7 kp, 15° - 12.7 kp, 30° - 8.6 kp, 45° - 7.3 kp). The values for the new one-chamber system were significantly greater from a tractional angle of 15° (0° - 15.6 kp, 15° - 14.4 kp, 30° - 14.0 kp, 45° - 13.8). The clinical application of the new vacuum system was unproblematic and confirmed the feasibility of good traction. A very much smaller caput succedaneum was found in the baby. Especially in the training situation, the warning system enables a good surveillance before sudden detachment, but reduces the possible tractional force.

Conclusions The new vacuum system appears to enable the vaginal surgical delivery to be improved compared to the conventional Malmström extractor. After these promising approaches, a multicenter study was commenced in order to enable better evaluation of their clinical significance.

1 Eingang: 24. 3. 99Angenommen: 13. 8. 99

Literatur

1 Eingang: 24. 3. 99Angenommen: 13. 8. 99

Dr. M. Korell

Chefarzt der FrauenklinikKlinikum Duisburg

Zu den Rehwiesen 9

47055 Duisburg

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