Abstract
Patientinnen mit einer Borderline-Störung müssen u.a. dann in einer spezialisierten
Einrichtung stationär psychotherapeutisch behandelt werden, wenn sie die unvermeidlichen
Einschränkungen und Begrenzungen einer ambulanten Therapie nicht ertragen können
oder sich massiv selbst schädigen. Zur Diagnostik im stationären Setting gehören
neben der Symptomatik psychodynamische Aspekte, die Objektbeziehungen, Ich-Funktionen
und die Persönlichkeitsstruktur sowie die Beobachtung und Beschreibung der Beziehungen.
Anders als im Alltag der Patientinnen können im vergleichsweise strukturierten sozialen
Feld der Klinik die interpersonellen Schwierigkeiten untersucht und bearbeitet und
neue Verhaltensweisen erprobt werden. Patientinnen mit einer Borderline-Störung neigen
dazu, ihre widersprüchlichen Selbst- und Objektbilder in den verschiedenen Beziehungen
in der Klinik zu wiederholen und Rahmenbedingungen als schwer erträgliche Einschränkungen
ihrer Autonomie zu erleben. Die Handhabung des Rahmens erfordert in der Borderline-Therapie
deshalb besondere Aufmerksamkeit. Da es den Patientinnen schwer fällt, unterschiedliche
Beziehungserfahrungen zu integrieren, besteht die Aufgabe des Teams darin, diese
Erfahrungen zusammenzutragen und den Patientinnen zu realistischeren Selbst-und Objektbildern
zu verhelfen. Darüber hinaus können die Patientinnen, die nicht selten unter den
Folgen weitreichender Entwicklungsstörungen leiden, sich gezielt soziale Kompetenzen
aneignen und diese üben. Dies erweist sich im Hinblick auf den Transfer in den sozialen
Alltag von Patientinnen als besonders wichtig.
Keywords
Borderline-Störung - stationäre Psychotherapie - komplexe Behandlungsorganisation
- psychoanalytisch-interaktionelle Therapie