Gesundheitswesen 2002; 64(3): 139-144
DOI: 10.1055/s-2002-22315
Originalarbeiten
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Probleme der Definition der Adipositas bei Kindern vor der Pubertät: Konsequenzen für die Ermittlung ihres Rehabilitationsbedarfs

Problems in Defining Obesity in Prepubescent Children: Consequences for Assessing the Requirements for Medical RehabilitationS. Danielzik1,2 , C. Bartel2 , H. Raspe2 , M. Mast1 , K. Langnäse1 , C. Spethmann1 , M. J. Müller1
  • 1Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
  • 2Institut für Sozialmedizin, Medizinische Universität zu Lübeck
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Publication History

Publication Date:
18 March 2002 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Die Prävalenz der Adipositas ist bei Kindern und Erwachsenen in den letzten Jahren angestiegen; Adipositas ist heute endemisch. Im Gegensatz zur Adipositas im Erwachsenenalter wird die kindliche Adipositas sowohl international als auch in Deutschland uneinheitlich definiert. Daraus ergibt sich auch ein Problem für die Ermittlung des Rehabilitationsbedarfs. Methoden: Das Problem wird anhand eines Datensatzes der Kieler Adipositaspräventionsstudie (KOPS) analysiert. Im Rahmen dieser Querschnittsstudie werden 1643 vollständige Datensätze der zwischen 1996 und 1999 erfassten 5- bis 7-jährigen Kinder bezüglich ihres Ernährungszustandes untersucht (19 % aller in diesem Zeitraum in Kiel eingeschulten Kinder). Drei Definitionen von Übergewicht und Adipositas (deutsche Referenzwerte für 1. die Trizepshautfalte [90. Perzentile] und 2. den BMI [90./97. Perzentile] sowie 3. ein internationaler BMI-Standard [extrapoliert auf Grenzwerte bei Erwachsenen]) werden verwendet. Ergebnisse: Die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas beträgt bei den 5- bis 7-jährigen Kindern je nach Definition 9 bis 21 %. Mit der Definition von Adipositas und Übergewicht anhand aktueller BMI-Perzentilen (Methoden 2 und 3) wird ein Teil übergewichtiger Kinder nicht als solche erfasst. Nach der derzeitigen Auffassung besteht nur für adipöse Kinder ein Reha-Bedarf: Dieser liegt bei 3,3 bzw. 3,5 % der Kieler Kinder. Ausblick: Die Experten müssen sich auf eine einheitliche Definition festlegen. Reha-Maßnahmen werden zur Zeit nur für manifest adipöse Kinder angeboten, sie sollten aber um Präventionsmaßnahmen ergänzt werden.

Abstract

Introduction: Prevalence of obesity has been on the increase in recent years. In contrast to obesity in adulthood, childhood obesity is still not uniformly defined. This results in problems to determine the need for medical rehabilitation. Methods: The Kiel Obesity Prevention Study (KOPS) is a cross-sectional study assessing the nutritional status of 5-7 year-old German children. Three different definitions of overweight and obesity (German reference data for triceps skinfold thickness [90th percentile] and BMI [90th/97th percentile] as well as an international standard for BMI [extrapolated to levels of adults]) were applied to 1,643 children of KOPS enrolled between 1996 and 2000 (19 % of all first-graders in Kiel in this period). Results: The prevalence of overweight varies from 9 to 21 % depending on the applied definition. With the definitions of overweight and obesity based on newer BMI percentiles a part of overweight children are not classified as such. The present state of art is that there is only a need for obese children for medical rehabilitation: these are 3.3 and 3.5 % of 5-7 year-old children in Kiel, respectively. Conclusions: Experts should work out an agreement concerning a uniform definition of childhood obesity. Currently, medical rehabilitation services are offered only to extremely obese children. There is a need for more and earlier preventive measures.

Literatur

8 Analog zur Prävalenz des Übergewichts könnte sich auch der Anteil der Adipösen auf 6% verdoppelt haben.

Dipl. oec. troph. Sandra Danielzik

Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Düsternbrooker Weg 17

24105 Kiel

Email: [email protected]

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