Zusammenfassung
Die früher als umstritten geltenden
Behandlungsmöglichkeiten bei der Osteoporose erfahren inzwischen als
Ergebnis außerordentlich umfangreicher Therapiestudien eine neue
Bewertung. Aus den heute verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten und der
Erkennbarkeit des durch Behandlung für die Patienten erzielbaren Vorteils
leitet sich eine Behandlungspflicht bei festgestellter Krankheit ab, die bei
allen Frühformen der Krankheit und bei allen sekundären
Krankheitsformen in der Hand des Internisten zu liegen hat.
Diese Forderungen sind unter Zugrundelegung der Prinzipien einer auf
Evidenz basierenden Medizin („evidence-based
medicine”) begründbar und werden einschneidende
Änderungen des ärztlichen Verhaltens in Zukunft zur Folge haben.
Am besten geprüft und daher der höchsten Evidenz-Stufe
zuzuordnen sind derzeit die Supplementation mit Calcium und Vitamin D sowie
eine Therapie mit den Bisphosphonaten Alendronat oder Risedronat und dem SERM
Raloxifen. Für weitere Therapeutika, wie z. B. die Fluoride, die
Vitamin-D-Metaboliten, das Calcitonin sowie das Etidronat ist die Qualität
der Evidenz deutlich geringer, während es für andere Medikamente
keine gesicherte Evidenz gibt. Zur Prävention der Schenkelhalsfrakturen
ergibt sich für die Hüftprotektoren eine hohe Evidenz.
Abstract
Osteoporosis therapy has been controversially discussed in the past.
In the meantime, several therapeutic options to prevent fractures are available
for this disease. With respect to proven fracture benefit, however, the quality
of evidence from randomised and controlled clinical trials varies substantially
among therapies. From systematic research the best external evidence is
available for a supplementation with calcium and vitamin D and a therapy with
the bisphosphonates alendronate or risedronate, as well as the SERM raloxifene.
For other therapeutic agents like fluorides, vitamin D metabolites, calcitonin
and etidronate the quality of evidence is much lower. So far, there is no
evidence for other pharmaceutical therapies. Hip protectors are effective in
the prevention of hip fractures.
Schlüsselwörter
Osteoporose - Evidenz-basierte
Medizin - Bisphosphonate - Fluoride - Vitamin
D - Kalzium - Östrogen-Rezeptor-Modulatoren - Calcitonin - Gesundheitsökonomie
Key words
Osteoporosis - Evidence Based
Medicine - Bisphosphonates - Fluorides - Vitamin
D - Calcium - Estrogen-Receptor-Modulators - Calcitonin - Health-Economics
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Verlag 2001
Prof. Dr. med. Helmut W. Minne
Institut für Klinische Osteologie
Am Hylligen Born 7
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