Psychother Psychosom Med Psychol 2004; 54 - AB15
DOI: 10.1055/s-2004-822477

Prävention als Herausforderung

M Cierpka 1
  • 1Abteilung für Allgemeine Klinische und Psychosomatische Medizin, Medizinische Universitätsklinik Heidelberg

Die Forschung zeigt, dass psychologische, psychosomatische und manchmal sogar somatische Störungen auftreten, wenn Kinder in dysfunktionalen Umgebungsbedingungen aufwachsen und wenn keine ausreichenden protektiven Faktoren für das Kind vorhanden sind. Primäre Prävention muss sich deshalb auf die Förderung dieser Reifungsbedingungen in den Familien selbst und in den außerfamiliären sozialen Beziehungen der Kinder in den Kindergärten und Schulen, im öffentlichen Raum und später in der Arbeitswelt der Erwachsenen konzentrieren. Präventive Maßnahmen sind in diesem Licht betrachtet auch ein Beitrag zur psychotherapeutischen Versorgung, weil spätere psychosoziale Störungen verhindert werden. Das Fördern von sozial-emotionalen Kompetenzen bei Eltern und Kindern hat sich als ein elementarer Bestandteil in der psychosozialen Prävention herausgestellt. Eltern können in Elternseminaren auf die Beziehung mit dem Baby vorbereitet werden. Mit bestimmten Lektionen kann die Bindung zwischen Eltern und Kind gestärkt werden. Eine Eltern-Säuglings-Sprechstunde kann Eltern im Umgang mit dem exzessiven Schreien ihres Babys und bei Fütterungs- und Schlafstörungen helfen. Eltern können später in ihren Erziehungspraktiken gefördert werden. Kinder zwischen 3–18 Jahren können in ihrer sozial-emotionalen Kompetenz hinzu lernen. Entwicklungspsychologisch zentrale Kompetenzen können als sozial-emotionales Lernen systematisch und curriculär vermittelt werden. Solche präventiven Maßnahmen haben Auswirkungen auf das soziale Miteinander. Kinder mit guten Fähigkeiten in der Konfliktlösung greifen z.B. in heftigen Auseinandersetzungen mit größerer Wahrscheinlichkeit nicht zur Gewalt, weil sie ihr Selbstwertgefühl nicht auf Kosten von anderen stabilisieren müssen. Durch ein Curriculum in sozial-emotionalem Lernen wie FAUSTLOS werden bei Kindern die Empathie gefördert und Verhaltensänderungen angestoßen.