Inf Orthod Kieferorthop 2005; 37(3): 177-184
DOI: 10.1055/s-2005-836895
© Georg Thieme Verlag

Klasse-II-Behandlung - Fragebogen und Fallbeispiele

Class II Malocclusion Treatment - Questionaire and Case ReportsJ. J. Hilgers
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Publication Date:
05 October 2005 (online)

Frage 1

Beobachten sie bei ihren Klasse-II-Patienten häufiger eine maxilläre Protrusion oder eine mandibuläre Retrusion? Welche Parameter verwenden sie zur Diagnostik der Klasse-II-Fehlbisslage? Welches kephalometrische Analyseverfahren und welche Weichteilpunkte bzw. -strecken verwenden sie?

Ich richte mich immer weniger nach kephalometrischen Messwerten, da sie sehr irreführend sein können. Auf einen bestimmten Wert hin zu therapieren birgt viele Fehler. Ich habe schon Patienten behandelt, bei denen sämtliche Werte falsch waren, die aber dennoch großartig ausgesehen haben und umgekehrt. Dennoch habe ich den Eindruck, dass bei der Mehrzahl der Klasse-II-Fälle eine mandibuläre Retrusion vorliegt. Dies bedeutet mit anderen Worten, dass solche Patienten besser aussehen, wenn man das Kinn nach vorne bringt, anstatt den oberen Zahnbogen nach hinten zu bewegen. Allerdings ist die Retraktion der oberen Schneidezähne recht einfach zu bewerkstelligen, wohingegen sich die Entwicklung des Kinns schwieriger gestaltet. Wir neigen dazu, Probleme im Licht der uns zur Verfügung stehenden Werkzeuge zu betrachten, und dies trifft mit Sicherheit auf die Zeiten des Headgear und der Extraktionstherapie zu. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass ich mir keine Fernröntgenaufnahmen ansehe. Ich betrachte sie in Hinblick auf Funktion, Knochendicke, Lagebeziehungen, Atemwege und Balance. Bei vielen Fällen verwende ich immer noch die VTO (Visual Treatment Objective), um Entscheidungen über das Therapieverfahren zu treffen. Und mir gefällt besonders das Analyseverfahren nach Ricketts und McNamara. Zahlenwerte sind unschätzbar, wenn man Kieferorthopädie erlernt, später verlieren sie allerdings an Bedeutung.