Aktuelle Neurologie 2005; 32(6): 342-350
DOI: 10.1055/s-2005-866913
Leitlinie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Leitlinie zur Beurteilung der Fahreignung bei neurologischen Erkrankungen

Guideline for the Assessment of Driving Ability of Patients with Neurological DiseasesW.  Fries1 , J.  Netz2 , K.  Bötzel3 , B.  Steinhoff4 , W.  Hartje5 , B.  Lachenmayr6
  • 1Praxis für neurologische und neuropsychologische Rehabilitation, München
  • 2Neurologisches Therapiecentrum (NTC), Düsseldorf
  • 3Neurologische Universitätsklinik der LMU, Klinikum Großhadern, München
  • 4Epilepsiezentrum Kehl-Kork
  • 5Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft, Psychologische Abteilung, Universität Bielefeld
  • 6Praxis für Augenheilkunde, München
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Publication History

Publication Date:
26 July 2005 (online)

Zusammenfassung

Anlass für eine Beurteilung der Fahreignung (FE) ist entweder die Selbstprüfungspflicht des Patienten, die Aufklärungspflicht des Arztes oder die Anforderung eines Gutachtens durch die Fahrerlaubnisbehörden. Zu beurteilen sind die körperlichen Voraussetzungen, nämlich die Gebrauchsfähigkeit von Armen und Beinen, das Sehvermögen und das Gleichgewicht sowie geistige (psychische) Voraussetzungen, nämlich die (visuelle) Wahrnehmungsfähigkeit, die Aufmerksamkeit und die Belastbarkeit. Zu deren Überprüfung werden in der Regel geeignete, objektivierbare psychologische Testverfahren verlangt. Festgestellte Eignungsmängel können unter Umständen durch entsprechende Hilfsmittel, Kfz-Umbauten oder durch eine besonders erfahrene, vorausschauende und sicherheitsbewusste Fahrweise kompensiert werden. Nicht kompensiert werden können homonyme Hemianopsie, persistierende Doppelbilder bei Geradeausblick, unvorhersehbar attackenförmig auftretender Schwindel, visuelles Hemineglektsyndrom sowie charakterliche Mängel. In der Beurteilung bei speziellen Krankheitsbildern ist immer vom Einzelfall auszugehen. Von einer Einschränkung der FE ist auszugehen, wenn eine Verkehrsgefährdung durch die Erkrankung/Symptomatik in konkreten Fahrsituationen anzunehmen ist, sodass ein Unfall mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten kann. Derartige Gefährdungssituationen entstehen durch Einschränkungen der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit, unvorhersehbar auftretende Störungen der Leistungsfähigkeit oder mangelnde Einsicht in Gefahren und Risiken. Die Bedingungen bei verschiedenen Krankheitsbildern/Syndromen werden diskutiert. Für das praktische Vorgehen werden neben der aktuellen klinischen Untersuchung ggf. ein EEG, Doppler-Sonographie der hirnversorgenden Gefäße und eine neuropsychologische Untersuchung empfohlen.

Abstract

Driving ability has to be assessed for the need of the patient, or because of the duty of information by the physician, or for an official statement for the drivers licence office. In the examination, motor functions of arms and legs, visual capacities, functions of the equilibrium sense have to be judged as well as mental abilities such as visual perception, attention and endurance. To check the latter validated objective psychological tests have to be used. Some of the deficits in driving ability can be compensated for by technical alterations of the vehicle in case of physical disabilities, or by careful, anticipating and danger-conscious driving in case of mental disabilities. However, homonymous hemianopia, persisting double vision, suddenly appearing vertigo attacks or visual hemineglect syndrome can not be compensated for. Each case has to be judged individually whether a concrete risk of accident emerges from the neurological disease or its symptoms. Such risk is to assume, if the physical or metal disability may cause the danger of a road accident, or if unforeseeable disturbances of consciousness may occur, or if the driver has not sufficient insight in the risks and dangers of driving. The conditions for specific diseases are discussed. In the practical examination it is recommended to do - besides standard clinical examination - an EEG, Doppler sonography of the brain supplying blood vessels and a qualified neuropsychological testing.

Literatur

Prof. Dr. med. Wolfgang Fries, Arzt für Neurologie 

Praxis für neurologische und neuropsychologische Rehabilitation

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