Geburtshilfe Frauenheilkd 2006; 66(6): 591-596
DOI: 10.1055/s-2006-924186
Originalarbeit

Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Notsectiones: Analyse der Entscheidungs-Entbindungszeit und postoperativer Wundinfektionen der Gebärenden im Krankenhaus Lainz/Wien: Eine Übersicht

The Decision-to-Delivery Interval and the Rate of Wound Infection in Crash Cesarean Sections in Vienna: An OverviewM. Weigert1 , M. Kolmer2 , B. Balluch2 , P. Sevelda1
  • 1Krankenhaus Lainz, Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe (Vorstand: Prim. Prof. Dr. P. Sevelda), Wien, Österreich
  • 2Gottfried von Preyer'sches Kinderspital (Vorstand: Prim. Doz. Dr. G. Bernert), Wien, Österreich
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Publication History

Eingang Manuskript: 14.11.2005 Eingang revidiertes Manuskript: 4.4.2006

Akzeptiert: 25.4.2006

Publication Date:
26 June 2006 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung: Das Ziel dieser retrospektiven Analyse von Notsectiones war 1.) die Evaluierung der Entscheidungs-Entbindungszeit (EEZ), 2.) das Aufzeigen der Rate postoperativer Wundinfektionen und Komplikationen der Gebärenden aufgrund des, aus zeitlichen Gründen, veränderten präoperativen Verlaufes und 3.) das kindliche Outcome. Material und Methodik: Als „Notsectio“ definiert waren all jene Kaiserschnitte, bei denen eine akute Gefährdung des Ungeborenen angenommen wurde und daher eine unverzügliche Entbindung stattfinden musste. Um eine möglichst kurze EEZ zu erreichen, wurde mit dem Verzicht auf Rasur der Schambehaarung, auf Anlegen von Thrombosestrümpfen sowie auf die chirurgische Händedesinfektion der Operateure ein standardisiertes Prozedere eingeführt. Von 2000 bis 2005 wurden 57 (1,02 %) Notsectiones bei insgesamt 5575 Geburten durchgeführt. Erhoben wurden die OP-Indikation, die Uhrzeit der Entscheidung zur Sectio, jene der Entbindung und das daraus resultierende Zeitintervall. Weitere Parameter waren die peripartale Antibiotikagabe, das Auftreten mütterlicher Komplikationen und das kindliche Outcome. Ergebnisse: Die Indikationen zur Notsectio stellten in 73,7 % CTG-Auffälligkeiten im Sinne schwerwiegender kindlicher Bradykardien, in 14 % vaginale Blutungen und in 7 % ein Nabelschnurvorfall. Die durchschnittliche EEZ war 14,4 ± 4,2 Minuten (Range 8 - 24 Minuten). Drei Kinder verstarben postpartal. Keines der überlebenden 56 Kinder zeigte bei den Nachsorgeuntersuchungen neurologische Defizite. Eine perioperative Antibiotika-Prophylaxe erhielten 94,7 % der Patientinnen. Wundinfektionen wurden keine festgestellt. Schlussfolgerung: Ein standardisiertes Procedere zur möglichst raschen operativen Entbindung in geburtshilflichen Notfällen führt zu einer kurzen EEZ und einem guten kindlichen Outcome. Der Verzicht auf eine Hautdesinfektion unter einer prophylaktischen intravenösen Antibiose führt zu keiner erhöhten mütterlichen Wundinfektionsrate.

Abstract

Purpose: The aim of this retrospective study was to evaluate the decision-to-delivery interval (DDI) for crash cesarean sections in our department. Furthermore we tried to find out the postoperative maternal morbidity (infection of the wound), complications and the fetal outcome after surgery. Material and Methods: The reason for a crash cesarean section is acute danger for the fetus/mother, so that surgery to deliver the child has to take place immediately. Therefore the organization has to be as effective as possible to ensure a short DDI. This can be achieved by a standardized procedure without preoperative shaving of the pubes and by minimizing disinfection methods. Results: From 2000 to 2005 fifty-seven (1.02 %) crash cesarean sections were performed. The indication in 73.7 % was a pathological cardiotocogram, vaginal bleeding in 14 %, and cord prolapse in 7 %. The average DDI was 14.4 ± 4.2 minutes (range 8 - 24) while a standardized procedure was performed. None of the surviving 56 children showed a neurological deficit. Three children died postnatally. 94.7 % of the patients received antibiotics perioperatively. We found no maternal wound infection. Conclusion: A standardized procedure for crash cesarean section leads to a short DDI and a good fetal outcome. The lack of abdominal disinfection but with single-shot antibiotics during surgery does not increase the rate of wound infections.

Literatur

Monika Weigert

Krankenhaus Lainz
Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe (Vorstand: Prim. Prof. Dr. P. Sevelda)

Wolkersbergenstr. 1

1130 Wien

Österreich

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