Laryngorhinootologie 2006; 85(11): 824-826
DOI: 10.1055/s-2006-925015
Der interessante Fall
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Medikamentöse Therapie bei postoperativer Übelkeit und Erbrechen in der HNO: Metoclopramid bei umstrittener Wirksamkeit als Auslöser extrapyramidaler Störungen - ein Fallbeispiel

Therapy of Postoperative Nausea and Vomiting in ENT - Tardive Dyskinesia as an Adverse Effect of Metoclopramid - a Case ReportS.  Tesche1 , C.  Henckell1 , F.  U.  Metternich1
  • 1Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. U. Koch)
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Publication History

eingereicht 15. Juli 2005

akzeptiert 29. November 2005

Publication Date:
13 February 2006 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Schwindel und Übelkeit sind gängige Symptome unterschiedlicher Erkrankungen in der HNO-Heilkunde. Gerade nach ohrchirurgischen Eingriffen in Vollnarkose ist die Differenzialdiagnose zwischen otogenem Schwindel und postoperativer Übelkeit und Erbrechen (PONV) relevant. Zur symptomatischen Therapie stehen Medikamente verschiedener Wirkstoffgruppen zur Auswahl.Patient: Es wird der postoperative Verlauf einer 25-jährigen Patientin nach Stapesplastik beschrieben, die aufgrund einer PONV symptomatisch mit Metoclopramid (MCP) behandelt wurde. Bei Übernahme bot sie das klinische Bild einer MCP-induzierten orofazialen tardiven Dyskinesie. Die Symptomatik bildete sich nach Gabe von 2 × 5 mg Biperiden (Akineton®) i. v. vollständig zurück und die Patientin konnte am Folgetag in die Weiterbehandlung der primär behandelnden HNO-Kollegen entlassen werden.Diskussion: Eine bedeutende, da in einigen Fällen irreversible, jedoch seltene Nebenwirkung von MCP ist die tardive Dyskinesie. Die Wirksamkeit von MCP als Monotherapie bei Übelkeit und Erbrechen ist hingegen sehr umstritten. Wirkstoffe aus der Gruppe der 5-HT3-Antagonisten (z. B. Ondansetron oder Granisetron) oder Neuroleptika (Droperidol) sind bei postoperativer Übelkeit und Erbrechen, insbesondere nach Mittelohreingriffen, nach aktueller Studienlage hingegen eindeutig wirksam.Schlussfolgerung: Bei Auftreten von tardiven Dyskinesien in der postoperativen Phase nach Gabe von MCP sollte gerade bei einer möglichen Überdosierung an eine medikamentös induzierte extrapyramidale Störung gedacht werden. Aufgrund der aktuellen Studienlage muss die Indikation zur Gabe von MCP als Antiemetikum grundsätzlich kritisch hinterfragt werden.

Abstract

Background: Postoperative nausea and vomiting (PONV) are among the most common complications in operative medicine. Especially patients undergoing middle ear surgery or stapedectomy are frequently suffering from PONV. On the other hand vertigo might be a symptom of an operative complication. For symptomatic therapy a various number of different drugs is available.Patient: We describe the clinical course of a 25-years-old female patient, who presented with massive orofacial tardive dsykinesia after therapy with metoclopramide (MCP). She had stapedectomy in general anaesthesia and suffered from PONV. The dyskinesia was treated successfully with Biperiden 5 mg i. v.Discussion: Tardive dyskinesia is a potential and in rare cases irreversible complication of MCP-therapy. The efficiacy of MCP is in controversy. Studies with 5-HT3-antagonists like Ondansetron or neuroleptics like Droperidol show good results in PONV especially after middle ear surgery.Conclusion: Tardive dyskinesia is a rare but possible drug-related adverse effect of MCP. After review of the literature we can not recommend MCP as an antiemetic drug in PONV.

Literatur

Dr. med. Stefan Tesche

Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf

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