Z Gastroenterol 2007; 45(3): 251-253
DOI: 10.1055/s-2006-927154
Kasuistik

© Karl Demeter Verlag im Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Reflux-assoziierter Nussknacker-Ösophagus bei 49-jähriger Patientin mit nicht kardialem Thoraxschmerz (NCCP)

Reflux-Associated Nutcracker Oesophagus in a 49-Year-Old Patient with Non-Cardiac Chest Pain (NCCP)S. Kunsch1 , U. Spaniol1 , H. Fensterer1 , V. Kaechele1 , G. Adler1 , V. Ellenrieder2
  • 1Innere Medizin 1, Universitätsklinikum Ulm
  • 2Klinik für Innere Medizin, SP Gastroenterologie, Endokrinologie und Stoffwechsel, Universitätsklinikum Marburg
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Publication History

Manuskript eingetroffen: 17.4.2006

Manuskript akzeptiert: 19.9.2006

Publication Date:
15 March 2007 (online)

Zusammenfassung

Wir berichten über eine 49-jährige Patientin, die sich ambulant in unserer Klinik zur weiteren Abklärung rezidivierender, retrosternaler Schmerzen vorstellte. Die Krankengeschichte der Patientin ließ sich über mindestens 2 Jahre zurückverfolgen und war durch stärkste, nahrungs- und belastungsunabhängige thorakale Schmerzen ohne Ausstrahlung charakterisiert. Erwartungsgemäß wurde eine umfangreiche kardiale Diagnostik einschließlich mehrmaliger Enzymdiagnostik, Elektrokardiographie und Herz-Echokardiographie vorangestellt. Im Rahmen dieser Vordiagnostik konnte eine koronare Herzkrankheit als Ursache der retrosternalen Schmerzsymptomatik ausgeschlossen werden, woraufhin die Patienten unter dem Verdacht eines nicht kardialen Thoraxschmerzes (NCCP) in unserer gastroenterologischen Ambulanz vorstellig wurde. In der initial durchgeführten Gastroskopie ließ sich lediglich eine kleine axiale Gleithernie ohne Zeichen einer Refluxösophagitis festhalten. In der weiterführenden gastroenterologischen Diagnostik zeigte sich eine gastroösophageale Refluxkrankheit (NERD) in Kombination mit einer Motilitätsstörung im Sinne eines Nussknacker-Ösophagus (NE). Die Patientin wurde anschließend mit Protonenpumpeninhibitoren (Pantoprazol) in doppelter Tagesdosierung und über einen Zeitraum von 8 Wochen behandelt. Diese medikamentöse Therapie führte nicht nur zur Beschwerdefreiheit der Patientin, sondern bedingte auch eine Normalisierung der initial ausgeprägten ösophagealen Motilitätsstörung. Zusammenfassend lässt sich aus dem vorliegenden Fall und den aktuellen Daten der Literatur ein enger Zusammenhang zwischen der gastroösophagealen Refluxkrankeit und einem Nussknacker-Ösophagus bei Patienten mit nicht kardialen Thoraxschmerzen bestätigen. Folglich sollte bei allen Patienten mit einem NCCP und einem NE das Vorliegen einer Refluxkrankheit ausgeschlossen oder gegebenenfalls einer adäquaten Therapie mit PPI zugeführt werden, bevor ein Therapieversuch mit muskelrelaxierenden Substanzen wie Nitroglyzerin oder Kalziumantagonisten eingeleitet wird.

Abstract

A 49-year-old woman was admitted to our department because of intermittent left-sided chest pain for the past 2 years. The patient reported an increasing frequency and duration of the symptoms which were independent from food intake, medication or physical exercises. A cardiac cause of the chest pain was excluded before admittance to our hospital. The initially performed upper endoscopy revealed a small oesophageal hiatal hernia but no signs of acute or chronic inflammation. Basal oesophageal manometry and pH monitoring confirmed the presence of a nutcracker oesophagus, defined by high-amplitude contractions of the distal oesophagus, in combination with a gastro-oesophageal reflux disease. The patient was treated with high-dose pantoprazole for 8 weeks before re-examination. Interestingly, the symptoms completely disappeared upon medication and the relief of the chest pain was accompanied by normalisation of the nutcracker oesophagus pattern. Thus, our observation provides evidence for a causative role of acid reflux in the pathophysiology of the nutcracker oesophagus and, in addition, suggests that effective acid suppression might be a useful therapeutic tool to deal with this painful motility disorder of the oesophagus.

Literatur

Dr. Steffen Kunsch

Innere Medizin 1, Universitätsklinikum Ulm

Robert-Koch-Straße 8

89070 Ulm

Email: steffen.kunsch@web.de

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