Gastroenterologie up2date 2006; 2(2): 88-91
DOI: 10.1055/s-2006-944552
Klinisch-pathologische Konferenz
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Glukagonom des Pankreas mit Progression in ein neuroendokrines Karzinom

Katrin  Kurz, Arndt  Hartmann, Klaus  Schlottmann
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Publication Date:
06 September 2006 (online)

Einleitung

Nur etwa 1 - 2 % aller Pankreasneoplasien sind neuroendokrinen Ursprungs. Die Mehrheit aller klinisch relevanten endokrinen Tumoren ist hormonaktiv, während nur etwa 25 % hormoninaktiv sind [2] [6].

Ein Glukagonom entspricht per definitionem einem endokrinen Tumor des Pankreas mit einer spezifischen A-Zell-Differenzierung, einer Glukagonproduktion und begleitendem Glukagonom-Syndrom [1] [3] [4]. Glukagonome entstehen zum überwiegenden Teil im Bereich des Pankreasschwanzes, extrapankreatische Glukagonome sind selten.

Dignität, Epidemiologie, Klinik. Etwa 90 % aller diagnostizierten Glukagonome sind maligne, davon sind ca. 70 % zum Zeitpunkt der Diagnose bereits - bevorzugt in die Leber - metastasiert. Insgesamt machen die Glukagonome knapp 5 % aller klinisch auffallenden endokrinen Tumoren des Pankreas und ca. 8 % aller hormonaktiven Tumoren aus. Frauen und Männer sind gleichermaßen in der 2. - 6. Lebensdekade betroffen, selten finden sich Glukagonome im Kindesalter [3] [5] [7] [9]. In ca. 5 % der Fälle rufen diese Tumoren neben einem Diabetes mellitus als unspezifische paraneoplastische Symptome auch eine nekrotisierende Dermatitis, rezidivierende tiefe Beinvenenthrombosen, Depressionen und Diarrhöen hervor [8].

Glukagonome sind Teil des endokrinen Tumorspektrums beim MEN1-Syndrom. Glukagonome, die in diesem Zusammenhang untersucht wurden, waren in 75 % benigne und meist multifokal [10]. Kriterien für die Einstufung der Malignität sind neben der histologischen Differenzierung die Mitoserate, das Vorliegen einer Angioinvasion und einer direkten Infiltration eines Nachbarorgans sowie als Hauptkriterium der Nachweis von Lymphknoten- oder Fernmetastasen. Die TNM-Klassifikation maligner Tumoren des Pankreas berücksichtigt nur Karzinome des exokrinen Pankreas.

WHO-Klassifikation. In der WHO-Klassifikation der Tumoren der endokrinen Organe wurde eine Klassifikation der endokrinen Pankreastumoren in prognostische Gruppen vorgeschlagen [12]: Die Klassifikation berücksichtigt folgende Kriterien:

Gut differenzierte endokrine Tumoren mit benignem Verhalten, d. h. auf Pankreas beschränkt, Tumorgröße < 2 cm, keine Angioinvasion oder perineurale Infiltration, weniger als 2 Mitosen pro 10 HPF (high power field), weniger als 2 % Ki-67-positive Zellenbenignem oder niedrig malignem Verhalten („uncertain behaviour”), d. h. auf Pankreas beschränkt mit einer der folgender Eigenschaften: Tumorgröße mindestens 2 cm, 2 - 10 Mitosen/10 HPF, >2 % Ki-67-positive Zellen, Angioinvasion oder perineurale Infiltration. Gut differenzierte neuroendokrine Karzinome mit geringer Zell- und Kernpolymorphie (low grade) und lokaler Infiltration und/oder Metastasierung. Gering differenzierte endokrine Karzinome mit ausgeprägter Zell- und Kernpolymorphie (high grade) und gesteigerter Mitoserate (> 10 Mitosen/10 HPF).

90 - 95 % aller neuroendokrinen Karzinome entsprechen gut differenzierten Karzinomen, gering differenzierte Karzinome sind sehr selten [11].

Literatur

Katrin Kurz

Institut für Pathologie der Universität Regensburg

Franz-Josef-Strauss-Allee 11 · 93053 Regensburg

Email: katrin.kurz@klinik.uni-regensburg.de